UNTERM STRICH: Plastik-Geschwätz

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Sa, 18. Mai 2019

Kolumnen (Sonstige)

Was Wahlplakate über konsequente Politik verraten / Von Wulf Rüskamp.

Der Schwabe tut sich leicht, indem er Mahnungen wegen Inkonsequenz mit dem Satz "Was gohd mi mei saudomms Gschwäddz von geschdern a?" vom Tisch wischt. So viel Souveränität kommt gut an, weil sie als Teil der Folklore gilt. Strenger gibt man sich dagegen gerne, wenn es um Inkonsequenz in der Politik geht. Obwohl zur Grunderfahrung gehören sollte, dass Wahlversprechen einem Ziel dienen, nämlich die Wahl zu gewinnen – was ihre Ehrlichkeit zwangsläufig relativieren muss. Deshalb nehmen wir ja nicht alles für bare Münze, was etwa in Freiburg auf den die Licht- und Schildermasten hinauf- und hinabkletternden Werbeplakaten zur Europa- und Kommunalwahl steht. Obwohl es zumeist auf schier unverwüstlicher Grundlage steht, nämlich Plastik.

Nun mag mancher sich daran erinnern, dass wir uns gegenseitig versprochen hatten, weniger Plastik zu verwenden, weil es der Umwelt schadet. Keine Plastikbecher mehr, versichern wir und trinken doch wieder den nächsten Kaffee daraus. So mag es auch den zahllosen Kandidaten gehen, die ihr Konterfei nebst markigem Spruch auf Polypropylen haben drucken lassen – und morgen sich gegen Plastiktüten aus verwandtem Stoff aussprechen.

Einige waren vorsichtiger: Neben anderen werben die Grünen, die in dieser Frage stark engagiert sind, auf Pappe statt auf Plastik. Man möchte sie für ihre Konsequenz loben, hingen nicht von ihnen noch einige kleinere Plakate aus dem anderen, dem Igitt-Stoff herum. Aber immerhin ein Anfang, der sie absetzt von der Konkurrenz, etwa solcher, die sich noch grüner und alternativer dünkt.

An ihren Plakaten sollt Ihr sie erkennen. Plastik ist eben leichter, haltbarer, billiger, so kennen wir es auch aus unserem Alltag. Andererseits sind Plakate nach der Wahl noch schneller vergessen als das, was auf ihnen stand. Daher kann man gegen Plastik sein und es dennoch benutzen. Begehrt wer dagegen auf, hält es auch der Badener gern mit dem Schwabenspruch. Weshalb wir es hier gar nicht erst mit Moral versuchen.