UNTERM STRICH: Wehe, wehe, wehe!

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Mi, 14. August 2019

Kolumnen (Sonstige)

In Franken wandeln zwei Buben auf den Spuren von Max und Moritz / Von Dominik Bloedner.

Heute müssen wir einen großen Dichter und Zeichner bemühen. Einen, dessen Werk zu seiner Zeit eine frivole, ja eine jugendgefährdende Wirkung zugeschrieben wurde. Dabei hatte Wilhelm Busch (1832–1908) wohl nichts Böses im Sinn, als er einst schrieb: "Ach, was muß man oft von bösen Kindern hören oder lesen!"

Dass gut 150 Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen von "Max und Moritz" diese Schrift womöglich nun handlungsanleitend für zwei junge Tunichtgute war, das konnte er freilich nicht ahnen: "Ja, zur Übeltätigkeit, ja, dazu ist man bereit!", heißt es dort. Womit wir im oberfränkischen Kulmbach wären, einer kleinen Stadt, die für ihr Bier bekannt ist und dafür, dass Thomas Gottschalk dort aufgewachsen ist, in der aber sonst noch alle Latten an den Zäunen hängen und auch, so munkelt man, viele Hunde begraben liegen. Dieser unscheinbare, hübsche Ort wäre am Dienstag beinahe ausgelöscht worden. Aber der Reihe nach.

Max und Moritz – wir nehmen an, ihre Eltern gaben den vier- und sechsjährigen Brüdern diese Namen – büxten aus und wurden tätig. Der erste Streich: Da sie im Gegensatz zu ihren Vorbildern keine Hühner zur Hand hatten, wurde mit Gasbrenner und brennbarer Flüssigkeit ein Carport in Brand gesetzt. Ob die Nachbarin jetzt Witwe war und Bolte hieß? Und der zweite folgt sogleich: Auf der Suche nach Löschwasser brachen sie in einen Keller ein und setzten den unter Wasser. Der dritte Streich: Sie klauten Werkzeuge und Spraydosen, vielleicht von einem Schneider namens Böck – so hieß der arme Tropf im Buch – um dann ein Garagentor, vielleicht das eines Lehrers namens Lämpel, eine Haustür und zwei Autos zu besprühen. "Wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe." 15 000 Euro Schaden, die Polizei musste einschreiten, brachte beide zur Mutter und sagte: "Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei, mit der Übeltäterei!" Immerhin, Max und Moritz wurden nicht in einer Mühle zerschrotet und aufgepickt. Und die Moral von der Geschicht’? Traue Deinen Kindern nicht.