Sozialpolitik

Früher Zugang zu Sprachkursen, in Schule und Ausbildung nützt Deutschland

Annette Joggerst

Von Annette Joggerst (Freiburg)

Mi, 04. Dezember 2019

Leserbriefe

Zu: "Das Schweigen der Mitte", Beitrag von Karl-Heinz Fesenmeier (Politik, 19. November)
Dieser Leitartikel verursacht mir Bauchschmerzen. Warum? Dass Menschen, die nicht zu den Spitzenverdienerinnen und Spitzenverdienern gehören, vergleichsweise hohe Steuern bezahlen, und volle Steuertöpfe nicht solidarisch verteilt werden, ist richtig, aber nicht erst seit 2015 ein Thema. Auf 2015 komme ich, weil Karl-Heinz Fesenmeier am Ende seines Artikels Mitverursacher für den Frust der "Mitte" in Deutschland benennt, es sind seiner Meinung nach die hohen Kosten, die Geflüchtete verursachen.

Die Gesamtausgaben des Bundes lagen bei 343,6 Milliarden Euro (2018), davon wurden circa 23 Milliarden für Kosten für die Versorgung von geflüchteten Menschen ausgegeben. Geld, das gut investiert ist, weil der frühe Zugang von Menschen zu Sprachkursen, in Schule und Ausbildung, Qualifizierung und Arbeit, Deutschland angesichts der demographischen Entwicklung wirtschaftlich nutzen wird. Ebenfalls profitieren Wirtschaft und Steuersystem von Investitionen im Geflüchtetenbereich, wie Baumaßnahmen und zusätzlichen Arbeitsplätzen. Wie viel darf Menschlichkeit und Investition in die Zukunft Deutschlands denn kosten?

Unsere Zivilgesellschaft verliert jedes Jahr durch Steuerhinterziehung viele Milliarden Euro. Geld, das zum Beispiel für den Bildungsbereich, für den Straßenbau und zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus eingesetzt werden könnte. Warum nicht Steuerhinterzieherinnen und Steuerhinterzieher aus Deutschland als Sündenböcke für den Unmut der "Mitte" benennen? Annette Joggerst, Freiburg