Corona und Künstler

Ich möchte wieder arbeiten dürfen

Angelika Bellin

Von Angelika Bellin (Offenburg)

Sa, 21. November 2020

Leserbriefe

Zu: "Aufrufe zur Blockade des Bundestags", Beitrag von Katja Bauer (Politik, 17. November)

Seit März sind wir Künstler mit einem Berufsverbot belegt. Zunächst wurden alle Veranstaltungen ersatzlos gestrichen, dann durfte unter bestimmten Bedingungen das eine oder andere Konzert wieder stattfinden. Zum Beispiel unter freiem Himmel oder eben mit sehr wenigen Zuhörern. Als Selbstständiger wird man nicht gefragt, ob man möglicherweise ein erhöhtes Gesundheitsrisiko trägt und vielleicht lieber von zu Hause aus arbeiten möchte. Dieser Luxus ist nur einigen wenigen Arbeitenden gestattet. Denn erscheint man nicht am Arbeitsplatz, gibt es natürlich auch kein Gehalt. Da das Singen noch immer nicht möglich ist, fallen für mich in diesem Jahr 99 Prozent aller Konzertveranstaltungen aus, da ich vorwiegend mit Chören zusammenarbeite. Verdiene ich nichts, kann ich natürlich auch nichts für meine Rente aufbringen.

Ich bin bereit, alles dafür zu tun, die Gesundheit meiner Mitmenschen zu schützen, und halte Maßnahmen auch für sinnvoll. Aber unseren Lebensstandard dermaßen zu reduzieren, geht mir zu weit. Wenn ich manche Maßnahmen kritisiere, werde ich gleich zum Corona-Maßnahmen-Leugner oder in die extreme Ecke geschoben. Ich bin weder das eine noch das andere. Ich möchte nur wieder arbeiten dürfen und unseren Lebensunterhalt verdienen. Ich möchte leben können ohne Herzrasen, Existenzängste, dünne Nerven und Schlaflosigkeit. Bin ich mit diesem Anspruch unsolidarisch? Wie mir geht es Tausenden. Den meisten Soloselbstständigen, den Hoteliers, Restaurant- und Kinobetreibern. Klar kann man auf den Luxus dieser Dienstleister verzichten. Aber diese Personengruppe kann nicht auf ihr Gehalt verzichten. Angelika Bellin, Offenburg