Deutsch-polnische Beziehungen

Man sollte die Verbundenheit stärken

Hermann Greve

Von Hermann Greve (Riehen)

Di, 10. September 2019

Leserbriefe

Zu: "Arbeiten gegen das Vergessen", Beitrag von Ulrich Krökel (Politik, 31. August)

Der Artikel erinnert an den deutschen Überfall auf Polen vor 80 Jahren und an die Verbrechen deutscher Soldaten, Polizeikräfte und anderer in Polen bis Anfang 1945. Noch leben Zeitzeugen, die an damals erinnern können. Beim nächsten "Jubiläum" in zehn Jahren werden fast alle gestorben sein. Wie wollen wir mit der Vergangenheit umgehen, wenn keiner mehr lebt, der dabei war? Hilft ein Denkmal, sind Reparationen dem Miteinander beider Völker förderlich? Beides ist rückwärtsgewandt. Welche Ideen würden in die Zukunft weisen?

Ein Denkmal kann eine Geste der Deutschen und eine kleine Genugtuung für die Polen sein, die die schlimmen Zeiten noch selbst erlebt haben. Wird es über ihren Tod hinaus wirksam Erinnerung leisten? Kaum. Es wird aber auch keinen Schaden anrichten. Vielleicht kann es unser Verhältnis zu Polen ein wenig verbessern. Anders sieht es bei den von Polen geforderten Reparationen aus. Juristisch hat Polen darauf verzichtet. Gibt es moralische Gründe, auf die Forderungen einzugehen? Es ist zu hoffen, dass unsere deutschen Politiker sich bei einer Abwägung vom Verstand leiten lassen.

Wie soll man der heutigen Bevölkerung, die nichts mit dem Krieg zu tun hatte, erklären, dass sie mit ihren Steuern Reparationen an ein Land leisten soll, dessen Bevölkerung den Krieg ebenfalls nur aus Erzählungen kennt? Wenn ein Denkmal allenfalls einen geringen und Reparationen nur einen negativen Beitrag zur Aussöhnung mit Polen leisten würden, was wäre die richtige Antwort auf die Vergangenheit? Alles, was die Verbundenheit zwischen Deutschen und Polen in Zukunft stärkt. Dazu gehören politisch, organisatorisch und finanziell unterstützter Jugendaustausch, vielleicht deutsch-polnische Schulen auf beiden Seiten der Grenze, und nicht zuletzt auch eine sichtbare Unterstützung polnischer Sicherheitsbedürfnisse, zum Beispiel durch das Angebot an unsere Nachbarn, einen Bundeswehrstandort in Ostpolen einzurichten. Hermann Greve, Riehen