Freiburg Art Fair

Was haben sich die Geweihträger dabei gedacht?

Wolfgang Meier-Rudolph

Von Wolfgang Meier-Rudolph

Sa, 17. Oktober 2020

Leserbriefe

Zu: "Die Kunstszene stärken", Beitrag von René Zipperlen und Herbert M. Hurka (Kultur, 1. Oktober)

Ein seltsam Ding, diese Freiburg Art Fair 2020. Es gibt eine Reihe bildender Künstler in Freiburg, die sich angeschmiert und vorgeführt fühlen. Eher zufällig erfahren sie von einer Messe ausgewählter Künstler in Halle I der Messe Freiburg in der zweiten Oktoberwoche. Wann, auf welchem Wege und nach welchen Kriterien die Künstler angesprochen und ausgewählt wurden, bleibt das Geheimnis der Freiburg Art Fair (FAF) Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Als deren Sprecher fungiert ein Ben Hübsch, flankiert von vier Mitgesellschaftern. So weit, so hübsch.

Weniger hübsch ist dann die Tonlage, in der Herr Hübsch auf höflich erstaunte Anfragen nicht geladener, aber interessierter Künstler aus Freiburg reagiert. Für die FAF könne man sich nicht bewerben, heißt es kurz und bündig; man müsse eingeladen werden. Na gut, könnte man einräumen, das gilt auch für andere private Einladungen. Wer nicht auf der Gästeliste steht, hat halt Pech. Kein Mensch bei Verstand würde das je problematisieren.

Aber wie steht es denn nun mit der privaten Gastgeberrolle der FAF Gesellschaft bürgerlichen Rechts? Im Netz kommt die Gesellschaft breitbeinig daher. Da ist die Inanspruchnahme des Städtenamens. Das allein schon ist ein Alleinstellungsmerkmal und signalisiert den Anspruch auf kommunale Ermächtigung und Förderung. Dann findet der Leser unter "Sponsoren" das Kulturamt der Stadt Freiburg mit dem Stadtwappen. Wem gegenüber ist ein Kulturamt verpflichtet, wenn nicht seinen Bürgern und Kulturschaffenden?

Damit nicht genug, beruft sich eine weitere Website der von Hübsch betriebenen Gesellschaft auf eine "Zusammenarbeit mit der FWTM" (Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe). Jetzt fehlt nur noch das Grußwort des Oberbürgermeisters und der Segen des Erzbischofs. Geht’s noch? Was haben sich die kommunalen Geweihträger dabei gedacht? Wie konnten sie zulassen, sich so instrumentalisieren zu lassen? Allzu naheliegend ist die Frage, wer hier an den Stellschrauben dreht und wie es geschehen kann, dass zahlreiche Freiburger Künstler, alle mit einem gerüttelt Maß an Ausstellungserfahrung und -erfolg, vor die Tür gesetzt werden, mit dem Kulturamt der Stadt Freiburg als Sponsor und assistiert von der FWTM? Wolfgang Meier-Rudolph, Jörg Bollin, Christa Haack, Wolfgang Haack,Ludwig Mang, Silke Ziegert, Nicolas Zimmermann, Freiburg