Auerhuhn

Was soll da denn eigentlich geschützt werden?

Eric Doye

Von Eric Doye (Kirchzarten)

Sa, 09. November 2019

Leserbriefe

Zu: "Das Auerhuhn stoppt den Ultrabike", Interview von Johannes Bachmann mit Benjamin Rudiger (Sport, 7. November)
Es gibt die schöne Redensart "der Natur ihren Lauf lassen". Genau damit aber haben offensichtlich Teile des sogenannten Naturschutzes ihre Probleme. Das Auerwild ist hierfür ein gutes Beispiel. Nach der letzten Eiszeit änderten und ändern sich Fauna und Flora in Mitteleuropa dramatisch: Einst ein Klima mit idealen Bedingungen für das Auerwild, verschlechtern sich im Zuge der Wiedererwärmung die Bedingungen für diese Art in unseren Breiten immer mehr, das Ende ist abzusehen. Das kann man gut oder schlecht finden, es ändert aber nichts an den Tatsachen.

Das Auerwild ist im Schwarzwald nicht vom Aussterben bedroht, es ist aktuell dabei auszusterben. Der Lauf der Natur lässt sich vielleicht kurzfristig verlangsamen, aber nicht aufhalten. Betrachtet man das riesige Verbreitungsgebiet dieser Art, so muss man feststellen, dass das Auerwild global gesehen alles andere als bedroht ist. Hierzulande aber werden mit beiden Händen Steuergelder ausgegeben, um das letztendlich aussichtslose Unterfangen der Erhaltung der noch verbliebenen Schwarzwaldpopulation dieser Vogelart zu erreichen. Und jetzt wird auch noch der Ultra-Bike-Marathon durch diesen auch aus wildbiologischer Sicht zumindest äußerst fragwürdigen Aktionismus gestoppt.

Dieses seit Jahrzehnten mit einem riesigem Erfolg durchgeführte Gemeinschaftsprojekt zahlreicher ehrenamtlicher Helfer und Schwarzwaldgemeinden mit unbezahlbarer Außenwirkung für die Region steht nun auf der Kippe, weil neue Kartierungen ein Gefährdungspotenzial für das Auerwild ausgemacht haben? Niemand hat wohl etwas gegen den Naturschutz, aber wenn dieser solche seltsame Blüten treibt, ist es jetzt vielleicht doch auch mal an der Zeit, kritisch zu hinterfragen, was da denn eigentlich geschützt werden soll. Eric Doye, Kirchzarten