"Momentan ist alles hinfällig"

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Di, 21. April 2020

Landesliga Süd

BZ-INTERVIEW mit Igor Bojic, der als Trainer des Handball-Landesligisten HSG Dreiland verlängert hat.

LÖRRACH/WEIL. "Er fordert viel, fördert aber auch", sagt Dirk Kalinowski über Igor Bojic. Mit dem Handball-Trainer hat die HSG Dreiland verlängert, seine Handschrift sei bei der Weil-Lörracher Equipe erkennbar, lobt Gremiumssprecher Kalinowski. Im dritten Jahr erzielte die HSG erstmals eine positive Bilanz. Mit Matthias Konzok sprach Igor Bojic über die Dreiland-Handballer, den Saisonabbruch und seine Arbeit.

BZ: Herr Bojic, Sie leben für den Handball. Wie schwer fällt ihnen die Zwangspause durch die Corona-Pandemie?
Bojic: Ganz schwer. Im Moment ist alles, was wir gelernt und geplant haben, hinfällig. Aber wir müssen das respektieren. Die Gesundheit steht an Nummer eins.
BZ: Während der Saison stellten Sie Ihre Zukunft bei der HSG in Frage. Nun bleiben Sie Dreiland-Coach.
Bojic: Ich gehe in meine sechste Saison beim TV Brombach, beziehungsweise in mein viertes Jahr bei der HSG. Ich suche immer eine Herausforderung. Pit Weber verlässt uns, Jonas Schamberger tritt aus privaten Gründen voraussichtlich kürzer, Torhüter Lukas Stich sucht einen neuen Verein. Trotzdem glaube ich, dass wir mit unseren jungen Leuten mindestens das gleiche Ergebnis erzielen können.
BZ: Pit Weber wechselt zum Südbadenligisten TV Herbolzheim...
Bojic: ... es freut mich, dass man auf seine Entwicklung aufmerksam wurde. Pit hat seine Sache in den letzten drei Jahren sehr gut gemacht. Ich kann ihn nur loben. Er ist bereit für die Südbadenliga. Gleichzeitig tut es mir leid, dass er nicht bei uns Südbadenliga spielen kann.
BZ: Wie bewerten Sie die HSG-Saison?
Bojic: Besonders in der Hinrunde hatten wir mehr erwartet. Wir haben zu viele Fehler gemacht, nicht jeder Spieler war bereit, alles zu investieren. Vor der Rückrunde haben wir aber umgeschaltet und mich freut, dass es dann so gut lief. Dafür muss ich meinen Spielern auch danken.
BZ: Mit der Entwicklung sind Sie demzufolge zufrieden.
Bojic: Momentan analysiere ich unser Spiel für die kommende Runde, vergleiche mit den vorherigen Saisons. Junge wie Mateusz Palasz oder Jan Knössel spielen und zeigen auch viel mehr als zuvor. Die erfahrenen Akteure wiederum verleihen der Mannschaft die nötige Stabilität.
BZ: Der Südbadische Verband hat mit dem Saisonabbruch beschlossen, den Abstieg auszusetzen. Nur Aufstiege sind möglich. Eine richtige Entscheidung?
Bojic: Schwer zu sagen. Wenn es aus sportlicher Sicht in Ordnung ist, stehe ich dahinter. Eine solche Entscheidung kann aber nicht immer fair sein. Das gilt für Teams, die viel investiert haben, nun aber nicht aufsteigen können. Andersrum für Mannschaften, die im Abstiegskampf vielleicht zu wenig getan haben, jetzt aber drin bleiben dürfen.
BZ: Sie arbeiten bei der Deutschen Post, sind täglich unterwegs. Haben Sie aufgrund von Corona ein mulmiges Gefühl?
Bojic: Nein. Ich habe einen guten Arbeitgeber, wir wollen für die Leute da sein. Wir geben unser Bestes und wissen, dass wir in dieser Situation auch etwas mehr Verantwortung übernehmen müssen.
BZ: Ist die Situation in Ihrem Heimatland Kroatien ähnlich?
Bojic: Dort sind die Maßnahmen ein bisschen strenger. Aber das finde ich richtig. Die Lage ist soweit noch unter Kontrolle. Und der Handball ist ebenso stillgelegt.

Igor Bojic übernahm 2015 die Oberliga-Handballerinnen des TV Brombach und führte sie in die dritte Liga. Seit 2017 trainiert er die Landesliga-Männer der HSG Dreiland.