624 Kilometer und 16650 Höhenmeter

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Fr, 15. März 2019

Mountainbike

Cape Epic in Südafrika: Morath und Stiebjahn wollen aufs Podest .

MOUNTAINBIKE. Ambitioniert starten die Schwarzwälder Adelheid Morath und Simon Stiebjahn in die achttägige Mountainbike-Etappenfahrt Cape Epic in Südafrika. Von Sonntag an haben sie mit ihren jeweiligen Partnern Candice Lill und Urs Huber in einer ruppigen Landschaft 624 Kilometer und 16650 Höhenmeter vor sich.

"Es läuft alles nach Plan", sagte Simon Stiebjahn, bevor er am Montag Richtung Kapstadt abgeflogen ist. Dass er erst fünf Tage vor dem Start der 16. Auflage des bedeutendsten Mountainbike-Etappenrennens der Welt anreist, ist ein bewusster Wechsel der Strategie. "Wenn ich lange vorher schon in Südafrika war, dann ist der Spannungsbogen immer ein wenig abgeflacht", erklärt der Langenordnacher. So blieben ihm in Südafrika vier Trainingstage. Das Cape Epic beginnt auf dem Universitätsgelände von Kapstadt mit einem 21 Kilometer langen Prolog. Zum Auftakt des Etappenrennens wird es noch keine entscheidenden Zeitabstände geben, doch für die Rennfahrer-Psyche kann es schon eine Rolle spielen, ob man im Prolog vorne dabei ist. "Da gibt es zweierlei Ansichten. 2014, als ich mit Tim Böhme Gesamtdritter wurde, da waren wir nach dem Prolog Zehnte", erzählt Simon Stiebjahn, "aber es ist klar, für den Kopf ist es immer gut, wenn man sieht, dass die Form stimmt."

Mal abgesehen von der späten Anreise haben sich für Simon Stiebjahn vor dem Cape Epic 2019 die Vorzeichen und Ambitionen verändert. Mit dem Schweizer Urs Huber hat er erstmals einen Partner an seiner Seite, der die Rundfahrt schon einmal gewonnen hat und mit dem er das Ziel verfolgt, "um das Podest mitzukämpfen."

Das Team Bulls, das mit dem fünffachen Cape-Epic-Sieger Karl Platt und dem dreifachen Marathon-Weltmeister Alban Lakata ein weiteres starkes Duo am Start hat, verdonnert Stiebjahn/Huber nicht dazu, als Backup-Team zu agieren. "Wir müssen nicht das andere Team absichern. Wir können die eine oder andere Taktikkarte selbst spielen. Umso breiter wir aufgestellt sind, umso besser", erklärt Stiebjahn. Von der Bulls-Teamleitung ist keine Stallorder vorgegeben, das betont auch Manager Friedemann Schmude.

Beim Tankwa Trek, einem Vier-Etappen-Rennen in Südafrika, das Stiebjahn und Huber zur Vorbereitung mitgefahren sind, haben die beiden mehrfach ihr Potenzial aufblitzen lassen. Betrachtet man die Konkurrenz, dann gibt es jedoch mindestens zehn MTB-Teams, die ebenfalls auf das Podest fahren können. Das Titelverteidiger-Duo Jaroslav Kulhavy/Howard Grotts wurde gesprengt, weil Grotts erkrankt ist. Doch mit dem neuseeländischen Weltcupsieger Sam Gaze hat der Tscheche wieder einen hochkarätigen Partner. Weltmeister und Olympiasieger Nino Schurter fährt mit Andri Frischknecht (beide Schweiz), der schon 2017 Etappensieger war. Die Vorjahres-Dritten Manuel Fumic (Kirchheim/T.) und Henrique Avancini wollen diesmal auch um den Sieg mitfahren, zumal der Brasilianer amtierender Marathon-Weltmeister ist.

Adelheid Morath kam gut durch den Winter

Berufsmountainbikerin Adelheid Morath aus St. Märgen möchte zum zweiten Mal in ihrer Karriere beim Cape Epic auf das Podest kommen. Topfavoritinnen sind Titelverteidigerin Annika Langvad aus Dänemark und ihre neue Partnerin, Straßen-Weltmeisterin und Olympiasiegerin Anna van der Breggen aus den Niederlanden. Die Polin Maja Wloszczowska bildet mit der Schweizerin Ariane Lüthi ein starkes Duo.

Morath geht mit der Südafrikanerin Candice Lill (27) unter dem Namen "Summit Fin" ins Rennen. Voriges Jahr wurde der Start des Duos durch Moraths Kahnbeinbruch verhindert. 2017 war die Schwarzwälderin mit Ariane Lüthi Vierte geworden, im Jahr davor belegte sie mit der Britin Sally Bigham den dritten Platz. "Mein Winter ist sehr gut verlaufen, obwohl ich erst im Dezember wieder mit systematischem Training begonnen habe", erzählt Adelheid Morath, die nach einem Jahr in einem Schweizer Team jetzt wieder selbstorganisiert ihre Saison bestreitet. "Vor dem Abflug nach Südafrika ist alles pünktlich fertig geworden", so Morath.

In Südafrika nutzte die St. Märgenerin die Zeit, um sich mit Candice Lill abzustimmen. "Ich fühle mich gut und Candice ist auch in Form. Das Podium haben wir uns zum Ziel gesetzt und dafür werden wir unser Bestes geben. Wir sind jedenfalls beide motiviert und haben ein kleines Team um uns herum", sagt die 34-Jährige. "Sehr dankbar" sei sie für die Unterstützung und die Sponsoren, die das Projekt Cape Epic ermöglicht hätten. Wenn sich zwei Fahrerinnen aus zwei verschiedenen Rennställen zusammentun, verursacht das meist eine Menge Komplikationen, angefangen beim unterschiedlichen Material für die Bikes bis zum gemeinsamen Trikot, das beim Cape Epic vorgeschrieben ist.