Mountainbike

Mountainbikerin Adelheid Morath will Sport und Beruf unter einen Hut bekommen

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Sa, 27. Februar 2021 um 14:19 Uhr

Mountainbike

Mountainbikerin Adelheid Morath arbeitet als Teilzeitkraft am Olympiastützpunkt und ist sportlich motiviert. Sie will sowohl im Sport als auch im Beruf Gas geben und sagt: "Ich bin ein Vollgas-Typ."

Unser Leben hat sich verändert. Durch die Pandemie ist ein anderer Rhythmus entstanden, nicht immer zum Besseren. Abläufe haben sich verändert, Kontakte reduziert. 2020 wurden nur wenige Mountainbike-Rennen angeboten, die meisten im Herbst. "Sportlich war 2020 ein komisches Jahr", sagt Mountainbikerin Adelheid Morath. Sie hat am Engadin Bike Giro teilgenommen, den Trail-Hype in Titisee-Neustadt hat sie gewonnen und bei der Marathon-WM in der Türkei kam sie als Zehnte ins Ziel. Die Einschnitte in den vergangenen zwölf Monaten waren für Morath aber nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie gravierend: Ihr Leben hat sich auch anderweitig stark verändert.

"Sportlich war 2020 ein komisches Jahr" Adelheid Morath
Die Unverwüstliche musste sportlich lange stillhalten, früher wäre ihr das sehr schwergefallen, dieses Mal kam ihr die Zwangspause jedoch gar nicht so ungelegen: Sie hat die wettkampffreie Zeit genutzt und ihr Bachelorstudium zur Ernährungsberaterin abgeschlossen. Als Studium und Leistungssport parallel liefen, fühlte sich die zweimalige Olympiastarterin phasenweise überlastet. "Ich habe mich im Studium richtig reingehängt. Die Umstellung auf Online war schon schwierig, man musste im Kopf umschalten", sagt die 36-Jährige. Seit Januar hat sie die Dokumente in der Hand, sie hat ihren Bachelor-Abschluss jetzt schwarz auf weiß. "Ich habe im Studium richtig Gas gegeben, ich wollte einen guten Abschluss machen." Das sei ihr gelungen, sagt sie, die Gesamtnote will sie nicht verraten.

"Ich bin jetzt wieder freier", sagt Morath. Frei für Neues. Als Leistungssportlerin hat sie von der Laufbahnberatung des Olympiastützpunkts (OSP) Freiburg-Schwarzwald profitiert, der OSP wiederum war über ihr Studium informiert. Erste Gespräche über eine Mitarbeit von Adelheid Morath als Ernährungsberaterin an der Seite von Andrea Stensitzky am OSP gab es wohl schon früher, konkret wurde die Zusammenarbeit aber erst im Januar. "Ich habe eine Mini-Teilzeitstelle beim OSP als Berufseinstieg bekommen. Ich darf von Andrea Stensitzky lernen und ihr Team unterstützen", sagt Morath, die Erfahrung aus 15 Jahren Leistungssport mitbringt. Sie wird Nachwuchsathleten vor Ort beraten und begleiten. "Als Kadersportlerin wurde ich jahrelang vom Olympiastützpunkt gefördert, ich will jetzt auch was zurückgeben", sagt sie.

"Ich will auf dem Rad und auch im Berufsleben Gas geben." Mountainbikerin Adelheid Morath
"Die großartige Chance" am OSP lasse ihr genügend Freiraum, um auch sportliche Ziele weiterzuverfolgen. Denn Radsport-müde ist die 36-Jährige nach wie vor nicht. Sie lebt die Leidenschaft und Begeisterung fürs Radfahren jeden Tag. Sie stehe zwar auf einer Longlist für die Olympischen Spiele in Tokio, eine Qualifikation sei aber unrealistisch, "weil mir viele Punkte fehlen und ich bei den Weltcups in Albstadt und Nove Mesto weit hinten im Feld starten müsste". Sie wird die Rennen fahren, die sie mag und die ihr aufgrund ihrer Fähigkeiten liegen, wie die Etappenfahrt Swiss Epic, die sie schon zweimal gewonnen hat.

"Ein Traum", den sie gerne noch einmal leben würde, ist die Teilnahme am Cape Epic in Südafrika. Es ist die größte und bedeutendste MTB-Etappenfahrt der Welt. 2019 wurde sie mit ihrer Partnerin Candice Lill Zweite. Im vergangenen Frühjahr war Adelheid Morath bereits vor Ort, zwei Tage vor dem Start sagten die Organisatoren jedoch aufgrund von Corona den Sieben-Tage-Wettkampf ab. Ein harter Schlag für Morath, "ich fiel in ein Loch". Aufgrund der nach wie vor grassierenden Pandemie ist das Cape Epic in diesem Jahr vom 17. bis 24. Oktober geplant, bisher war das Rennen immer im März.

"Ich freue mich, für ein Team aus meiner Heimatregion starten zu können." Adelheid Morath

Nachdem sie in den schneereichen Wochen im Schwarzwald viel auf Langlaufski unterwegs war, ist Morath nun auf dem Rad ins Umfangtraining eingestiegen. Sie startet in diesem Jahr für das Mount7-Team, das Rad-Equipment und die technische Unterstützung bekommt sie vom gleichnamigen Radgeschäft in Freiburg. "Ich freue mich, für ein Team aus meiner Heimatregion starten zu können. Der Slogan ’pure moments’ passt voll und ganz, ich lebe ihn jeden Tag."

Im Januar hat sich noch eine weitere wesentliche Veränderung in ihrem Leben ergeben: Adelheid Morath hat ihren langjährigen Freund geheiratet. Darüber reden will sie nicht, über ihre Ambitionen aber schon: "Ich will weiter auf dem Rad und jetzt auch im Berufsleben Gas geben. Ich bin ein Vollgas-Typ."