Geschichten von Geld und Gold

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Mi, 13. Februar 2019

Müllheim

"Wenn ich einmal reich wär’..." Beim Erzählkunstabend in der Mediathek Müllheim geht es um ein Thema, dass die Menschheit seit jeher beschäftigt.

MÜLLHEIM. Erwartungsvolle Menschen sitzen im Halbkreis, der Raum ist mit hauchzarten farbigen Stoffen romantisch dekoriert, auf einem Tischchen liegen symbolträchtige Utensilien wie ein goldener Kamm, eine Schale mit Goldmünzen, eine Laterne, eine Glocke: Erzählkunstabend in der Mediathek Müllheim. Es geht um Geschichten von Geld und Gold. Versammelt sind drei Erzählerinnen, die alle eine Ausbildung in der Goldmund-Erzählakademie durchlaufen haben und die Kunst des freien Erzählens aus dem Effeff beherrschen.

Karla Krauß aus Müllheim, Monika Aigner aus dem Chiemgau und Karolina Seibold aus Frankfurt haben Geschichten und Beiträge zu dem Thema zusammengestellt, das die Menschheit seit ihrem Bestehen beschäftigt und die Phantasie Purzelbäume schlagen lässt: "Wenn ich einmal reich wär‘..." Die Mythen und Legenden von Gold und Reichtum sind uralt, tauchen in den verschiedensten Versionen und Ländern auf. Das Schöne am freien Erzählen: Hier wandeln sie ihre Gestalt erneut, werden in unerwartete Zusammenhänge gestellt und mal die eine, mal die andere Figur in den Vordergrund gespielt. Karla Krauß eröffnet den Reigen mit einer Begebenheit auf einem orientalischen Markt, in der der weise Richter Nazruddin ein kluges und überraschendes Urteil fällt: Hat sich der arme Mann lediglich am Duft des gebratenen Fleisches gelabt, so muss sich der geldgierige Metzger, der ihm deswegen eine Rechnung stellen will, mit dem Klingeln von Münzen im Ohr zufrieden geben.

Monika Aigner hat aus dem tief verschneiten Chiemgau auf ihrer Bahnreise ins Markgräflerland sogar einen historischen Grammophonkasten mitgeschleppt, auf dem sie gelochte Pappscheiben mit der Handkurbel zum Klingen bringt, eine lustige, übermütige Spielmannsstimmung wärmt die Zuhörer als akustisches Lagerfeuer.

Sie hat, entgegen der gänzlich freien Erzählkunst, von ihrer Landsmännin Elfie Meindl gereimte Geschichten aus dem Märchenschatz der Gebrüder Grimm mitgebracht, ein köstlicher Spaß, dem die kantige Chiemgauer Mundart eine deftige Würze verleiht. Wie der "Hans im Glück" mit leichtem Herzen "hoam" geht, nachdem er von der Mühsal des wechselnden Besitzes erlöst wurde, als der Schleifstein, den er sich als letztes Tauschgut hat andrehen lassen, in den Brunnen gefallen ist! Ein Happy End der anderen Sorte.

Eine der schönsten Geschichten hat Karolina Seibold mitgebracht. Über die Entdeckung des Himmelskörpers Eris 2005 schlägt sie nach kurzem, spannendem Verweilen bei den Planeten und ihren Bahnen einen weiten Bogen in die griechische Mythologie: Eris, die Göttin der Zwietracht war es, die mit dem listig präsentierten Geschenk eines goldenen Apfels letztendlich den ersten großen Krieg der Menschheit ausgelöst hat, den Kampf um Troja. Hier ist alles versammelt, was einer Geschichte "Quote" bringt: Eifersucht, Dummheit, Habgier, Erotik, Ehrgeiz, Streitlust.

An diesem Abend begegnet der Zuhörer noch einer gerissenen Oma, die ihren bösen Nachbarn vor dem Richter blamiert, und einer Geiß, die mit ihrer Intriganz eine ganze Familie auseinanderbringt. Und doch gibt es auch hier auf verschlungenen Pfaden wieder ein Happy-End: eine hübsche Version des Märchens vom "Tischlein deck dich".

Der Magier Johann Georg und seine nächtlichen Umtriebe führen das Publikum zu Faust und Mephisto: Wie weit weg sind doch zwei mal zwölf Jahre, bis man seine Seele verliert, wenn vorher Ruhm und Reichtum winken! Monika Aigner hat auch eine Gitarre mitgebracht, und zusammen werden einige Lieder gesungen. Bei einem launigen Quiz zu Wörtern, in denen "Gold" vorkommt, gibt es für richtige Antworten eine "goldene" Münze mit Schokofüllung. Die Sponsoren haben für "goldenen" Wein gesorgt, der in der Pause die Gespräche beflügelt. Hausherrin Petra Liebrecht bedankte sich bei den Erzählerinnen für ihr kreatives Engagement.