Training im Verborgenen

MÜNSTERECK: Schluss mit Hängenlassen

Stephanie Streif

Von Stephanie Streif

Di, 24. November 2020

Kolumnen (Sonstige)

Es gibt immer weniger Orte, an denen man unbeobachtet abhängen kann. Fernab von breiten Wanderwegen stand oben im Sternwald noch bis vor kurzem eine horizontale Hangelleiter aus Holz. Gut, ihre Sprossen waren glitschig-vermoost, manche saßen auch etwas wackelig in den Holmen links und rechts. Aber egal. Die Hangelleiter war gut versteckt. Mitten im Wald. Und weit und breit kein Mensch, der dabei zusehen konnte (und musste), wie schnell das bisschen antrainierter Oberarmmuskel auch schon wieder schlapp machte, kaum dass man oben hing – und nach ein bisschen zielloser Baumelei wieder auf den Boden plumpste. Oder wie kraftlos man sich selbst an guten Tagen von Sprosse zu Sprosse ächzte, weil man endlich mal eine, zwei, drei, vier zu fassen bekam. Seit kurzer Zeit ist die angemorschte Hangelleiter weg. Stattdessen soll man jetzt eine Weg-Etage tiefer sporteln, wo von Forstamt und Universität jüngst ein hochmoderner "Calisthenics-Parc" (wie spricht man das Wort überhaupt aus?) eingerichtet wurde. Für alle Sportbegeisterte. Seither arbeiten sich dort viele sportliche Menschen – noch dazu in funktionaler Sportbekleidung – an den Geräten ab. Sie machen Klimmzüge, Rumpfbeugen und Handstand. Und jetzt mal ehrlich – wer will sich da schon freiwillig dazu hängen.