Straßenmusik

MÜNSTERECK: Too hot to Rock ’n’ Roll

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Fr, 31. Juli 2020

Kolumnen (Sonstige)

Jetzt ist er da, der richtige Sommer. Und plötzlich sind sie weg, die Straßenmusiker. Nach ihnen konnte die Redaktion bislang die Uhr stellen. Immer kurz vor 18 Uhr beglückt eine südamerikanisch angehauchte Abordnung die Gäste im Fressgässle mit Ohrwürmern, wie "Yellow Submarine", unter Panflöten-Einfluss in der immer gleichen Reihenfolge. Anders als die Cafébesucher können die Redaktionsmitglieder treffsicher Wetten abschließen, welcher Knaller als Nächstes kommt. Vorher unterhält üblicherweise ein Routinier am Akkordeon mit Songs von Edith Piaf und dem Klassiker "Capri-Fischer". Dazwischen gibt ein Kontrabassist 60er-Jahre-Hits zum Besten, darunter "All my loving" und "Mrs. Robinson". Immerhin der Akkordeonspieler trat auch am Donnerstag auf, am bislang heißesten Mittag des Jahres. Allerdings extrem kurz zur allgemeinen Verwunderung. Wir vermuten: die Temperaturen. Von da an herrschte Ruhe wie seit dem Lockdown nicht mehr. Too hot to Rock ’n’ Roll, könnte man sagen. So neigt sich der Tag unter dem gleichförmigen Geräusch der Klimaanlage und dem Geklacker der Tastaturen. Ohne Beatles, ohne Simon & Garfunkel. Doch gegen 19.30 Uhr, noch bevor die Sonne bei Capri im Meer versinkt, ist die Wiederhörensfreude groß: "Blue Suede Shoes" auf dem Kontrabass.