Wahl vor Ort

In Munzingen steht das Ende einer Ära bevor

Eva Opitz

Von Eva Opitz

Di, 14. Mai 2019 um 14:12 Uhr

Munzingen

Nach 20 Jahren ist Schluss: Munzingens Ortsvorsteher Rolf Hasenfratz wird nicht wieder kandidieren. Derweil sorgt ein gemeinsamer Wahlauftritt zweier Listen für Unmut bei der dritten.

Bei der Kommunalwahl am 26. Mai steht der Ortschaft Munzingen am südlichen Ende des Tunibergs ein großer Wechsel bevor. Nach 20 Jahren als Ortsvorsteher hat Rolf Hasenfratz (73) von der "Munzinger Wählergemeinschaft" (MWG) seinen Abschied bekannt gegeben. "Wir haben viel zusammen erreicht, aber in Anbetracht meines Alters ist es Zeit aufzuhören und Platz für einen Nachfolger zu machen", sagt Hasenfratz.

Übrige elf Räte stellen sich zur Wiederwahl

Insgesamt zeichnen sich die drei Kandidierendenlisten durch eine große Kontinuität aus. Die übrigen elf Räte stellen sich alle zur Wiederwahl. Keine der drei Listen hat es geschafft, die mögliche Zahl von zwölf Kandidaten auszuschöpfen. Und bis auf wenige Ausnahmen sind alle Bewerber, die insgesamt aus einem breiten Berufsfeld kommen, in einem Ehrenamt aktiv. Wie bei der Wahl 2014 präsentieren die MWG und die Liste "Bürger für Munzingen" (BFM) einen gemeinsamen Wahlaufruf.

"Für uns ist die Schulart zweitrangig, Hauptsache die Schule kommt." Jürgen Häsler
"Unsere Ziele sind die gleichen", sagt Jürgen Häsler von der MWG als Listenführer der neun alphabetisch aufgeführten Kandidaten. Wie bei den beiden anderen Listen durchziehen Themen wie eine ortsverträgliche Bebauung, Stärkung der Kinder-und Jugendarbeit und der Infrastruktur allgemein, die Unterstützung der zahlreichen Vereine sowie der Zugang zu einer weiterführenden Schule am Standort Opfingen das Programm. "Für uns ist die Schulart zweitrangig, Hauptsache die Schule kommt", so Häsler. Zur heiß diskutierten Bebauung am Roßbächle bestätigt Häsler mit einem "Ja, aber" die Bereitschaft zur Kooperation mit der Stadt. Dank des neuen Bauprojektes sieht er eine Chance auf generationengerechtes Wohnen im Ort.

Liste "Bürger für Munzingen" will Arbeit des Ortschaftsrates öffentlicher machen

Die gemeinsamen Ziele bestätigt auch Elisabeth von Kageneck von der Liste "Bürger für Munzingen": "Wir unterscheiden uns jedoch durch die Zusammensetzung der neun Kandidaten und bei der Umsetzung der Grobziele." Sie wünscht sich für ihre Liste mit Kandidaten im Alter von 22 bis 71 Jahren, dass die Arbeit des Ortschaftsrates in Ortsblättle noch öffentlicher gemacht wird. "Der Bürger sollte mehr darüber erfahren", so die amtierende Ortschaftsrätin.

Die "Unabhängige Liste Munzingen" (ULM, acht Kandidierende) zeichnet sich dadurch aus, dass sie mit der Diplom-Rechtspflegerin Martina Schonert als einzige Liste frühzeitig eine Kandidatin für das Amt der Ortsvorsteherin vorschlug. Sie sagt: "Ich traue mir die Arbeit zu und freue mich, im Falle meiner Wahl dank meiner beruflichen Erfahrung zwischen den Gruppen moderierend nach der besten Lösung im Einvernehmen mit der Stadt zu suchen." Die Liste bezieht in ihrer Wahlbroschüre eine klare Stellung zur Bebauung am Roßbächle (die BZ berichtet): Einhaltung der mit der Stadt ausgehandelten Kompromisse, da eine Bebauung angesichts der Wohnungsnot unvermeidbar sei. "Wir brauchen unbedingt ein Jugendhaus als Gegenleistung der Stadt", betont die Kandidatin.

Gemeinsamer Wahlauftritt zweier Listen sorgt für Unmut bei der ULM

Der gemeinsame Wahlauftritt der Listen 1 und 3 stieß wie 2014 auch 2019 auf den Unmut der "Unabhängigen Liste Munzingen". Die Mitbewerber stellten sich als zwei Listen dar, so das Argument, seien jedoch programmatisch und personell eine Wählervereinigung, die den Vorteil ausnütze, mehr Stimmen auf sich zu versammeln. Rechtsamtsleiter Matthias Müller stellt jedoch auf BZ-Nachfrage klar, dass es nach geltender Rechtsprechung prinzipiell legitim sei, wenn unterschiedliche Personen mit gleichen Zielen bei Wahlen antreten, soweit einige formale Vorgaben eingehalten würden.

Wer Ortsvorsteher werden soll, ist offiziell nur bei der "Unabhängigen Liste Munzingen" ein Thema. "Munzinger Wählergemeinschaft" und "Bürger für Munzingen" hätten nach intensiver, gemeinsamer Diskussion entschieden, das Votum der Wähler abzuwarten, so Häsler.
Wahl in Munzingen

Einwohner: 2973 (Stand Ende 2018)
Ortsvorsteher: Rolf Hasenfratz, ("Munzinger Wählergemeinschaft") tritt nicht mehr an.

Räte: zwölf Sitze (bislang jeweils vier für "Bürger für Munzingen" und "Unabhängige Liste Munzingen" sowie drei für "Bürger für Munzingen").

Nicht mehr zur Wahl steht von den amtierenden Räten lediglich Rolf Hasenfratz ("Munzinger Wählergemeinschaft").