Protestbewegung

Indische Frauen gehen bewaffnet auf die Straße

Christian Selbherr

Von Christian Selbherr

Sa, 25. Januar 2014 um 00:00 Uhr

Ausland

In Indien kämpfen die Frauen der "Gulabi Gang" für mehr Gleichberechtigung – wenn es sein muss, mit Gewalt. Sie ziehen in rosa-leuchtenden Sari-Gewändern durch die Stadt.

Der Junge, er mag etwa 13 Jahre alt sein, hat sofort erkannt, wer da durch die Straßen von Mahoba im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh marschiert: "Das ist die Gulabi Gang", sagt er. "Und mit ihren Stöcken verprügeln sie die Männer." In seiner Stimme liegt jugendliche Bewunderung, aber auch eine gehörige Portion Respekt. Dabei sind es alles andere als finstere Gestalten, die den jungen Mann so beeindrucken. In leuchtend-rosa Sari-Gewändern gekleidet ziehen die durch die Stadt. Ihr Ziel: das Büro der Bezirksverwaltung. "Denn dort liegen die Probleme," sagt die Anführerin der Gruppe. Sampat Pal Devi heißt sie, und sie hat die "Gulabi Gang" – übersetzt: "die rosafarbene Bande" – im Jahr 2006 gegründet. "Seitdem kämpfen wir gegen gewalttätige Ehemänner und korrupte Beamte." Und wenn es eben sein muss, wenden die Frauen dabei selbst Gewalt an. Deshalb tragen sie ihre Lathis mit sich, jene langen Bambusstöcke, mit denen sonst Hirten ihre Kühe und Ziegen vor sich her treiben.
Ein ums andere Mal haben diese Stöcke der Gulabi Gang schon zu ihrem Recht verholfen. Da war zum Beispiel diese große Lieferung Reis, die eigentlich für die Ärmsten der Armen bestimmt war. Die Regierung hatte Lebensmittelkarten ausgeteilt, und dafür sollte es den Reis geben. Nur kam davon kein Körnchen bei den Bedürftigen an. "Alles schon weg", meinten die zuständigen Beamten nur und zuckten mit den Achseln. Doch die Frauen um Sampat Pal fanden heraus, dass die Regierungsleute den Reis heimlich schon auf dem Schwarzmarkt verscherbelt hatten. Als die Polizei nur wenig Interesse zeigte, diesem Vorwurf nachzugehen, platzte den Gulabi-Frauen der Kragen. Gemeinsam zogen sie los – und verwüsteten die Polizeistation.
Dabei wehrt sich Sampat Pal heftig dagegen, wenn sie als aufrührerische Banditin hingestellt wird. "Wir kämpfen doch nur für Gerechtigkeit", sagt sie dann. Unrecht hat sie selbst oft genug erfahren. Sie wurde um 1960, so genau weiß sie das selber nicht, im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh geboren. Ihre Familie gehört zur Kaste der Ziegenhirten. Schon mit zwölf Jahren wurde Sampat Pal an einen Mann verheiratet, den sie nie zuvor gesehen hatte. Mit 15 brachte sie ihre erste Tochter zur Welt.
Die Probleme scheinen ...

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