Iran soll Tanker bedrängt haben

Martin Gehlen

Von Martin Gehlen

Fr, 12. Juli 2019

Ausland

Neuer Zwischenfall verschärft die Konfrontation mit den USA.

TEHERAN/KAIRO. Die Konfrontation zwischen den USA und Iran wird durch neue Zwischenfälle angeheizt. Nachdem britische Soldaten vorige Woche auf Drängen Washingtons einen iranischen Tanker vor Gibraltar in ihre Gewalt brachten, versuchten jetzt offenbar Revolutionsgardisten in der Straße von Hormus, ein britisches Schiff zu kapern.

Wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte, näherten sich drei iranische Schnellboote im Persischen Golf dem Öltanker British Heritage, um diesen zu einem Kurswechsel zu zwingen. Erst als sich die begleitende britische Fregatte Montrose schützend vor den bedrängten Tanker des Ölkonzerns BP schob, drehten diese ab. Schon im Juni hatte es im Golf von Oman Attacken auf zwei Tanker gegeben, für die die US-Regierung den Iran verantwortlich machte. Die Führung in Teheran bestreitet dies.

Die Revolutionären Garden bestritten auch, mit dem Vorfall am Mittwoch etwas zu tun zu haben. Gleichzeitig drohte ihr Vizekommandeur, Admiral Ali Fadavi, die USA und Großbritannien würden die Beschlagnahme des iranischen Tankers vor Gibraltar noch "schwer bereuen". Zuvor hatte bereits Verteidigungsminister Amir Hatami gesagt, dieser "Akt von Piraterie" werde nicht ohne Antwort bleiben. Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani drohte mit Konsequenzen.

Die jüngste Konfrontation vor der iranischen Küste steht offenbar im Zusammenhang mit einer spektakulären Operation britischer Seestreitkräfte vor Gibraltar. Sie beschlagnahmten den Teheraner Supertanker "Grace 1" wegen des Verdachts, dass er im Verstoß gegen das geltende EU-Embargo iranisches Öl nach Syrien habe bringen wollen. Laut Spaniens Außenminister Josep Borrell ist die Kommandoaktion auf Geheiß der USA erfolgt. Der Iran bestreitet, dass die Ladung für Syrien bestimmt ist. Der Kapitän sowie ein Offizier des Schiffes sind inzwischen festgenommen worden, teilte die Polizei in Gibraltar laut AFP mit.

London liegt mit Teheran auch wegen der britisch-iranischen Journalistin Nazanin Zaghari-Ratcliffe im Konflikt, die seit drei Jahren im berüchtigten Evin-Gefängnis als Geisel festgehalten wird. Die 40-Jährige war 2016 bei ihrer Ausreise auf dem Flughafen von ihrer kleinen Tochter getrennt und festgenommen worden. Sechs Monate später wurde sie von einem Revolutionsgericht zu fünf Jahren Haft wegen Spionage verurteilt. Sie ist eine von rund 30 willkürlich inhaftierten Doppelstaatlern, die die Islamische Republik offenbar als Druckmittel bei Verhandlungen einsetzen will.