Frostige Grüße zu Gabriels 60. Geburtstag

Jan Dörner

Von Jan Dörner

Do, 12. September 2019

Deutschland

Acht Jahre lang führte er die SPD, dann brach sie mit ihm.

BERLIN. Wenn Sigmar Gabriel an diesem Donnerstag seine Geburtstagspost liest, wird er auch ein Glückwunschschreiben der amtierenden SPD-Spitze vorfinden. Wie es an Geburtstagen früherer Parteichefs üblich ist, gratuliert das Willy-Brandt-Haus Gabriel zum 60. Das Schreiben kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Verhältnis zum früheren Parteichef, Vizekanzler, Wirtschafts- und Außenminister frostig ist.

Immer wieder meldet sich Gabriel mit Kritik an der derzeitigen SPD-Führung zu Wort, zuletzt nahm er sich das Verfahren zur Wahl einer neuen Parteispitze vor. Bei den aktuellen Verantwortungsträgern der Partei werden Gabriels regelmäßige Wortmeldungen als Zwischenrufe eines notorischen Störenfrieds empfunden. Schließlich habe Gabriel als Parteichef 2009 bis 2017 selbst seinen Teil zur prekären Lage beigetragen, in der sich die SPD heute befinde, finden nicht wenige.

Auf der ersten Regionalkonferenz der Kandidaten für den Parteivorsitz in Saarbrücken erntete SPD-Vizechef Ralf Stegner Applaus mit der Forderung, ehemalige Führungspersonen der SPD sollten einfach mal die "Klappe halten". Er nannte Gabriel nicht ausdrücklich, aber im Saal wusste wohl jeder, wer gemeint war.

In Gesprächen mit SPD-Politikern fällt immer wieder das Wort "tragisch", wenn es um Gabriel geht. Als 2018 die erneute Koalition mit der Union geschmiedet wurde, machte Gabriel sich Hoffnungen, seinen Posten als Außenminister behalten zu können. Doch er ging leer aus, seitdem ist er einfacher Abgeordneter. Damit gab er sich nicht zufrieden: Er nahm Lehraufträge in Deutschland und den USA an und wurde Vorsitzender der Atlantik-Brücke, die sich für die deutsch-amerikanischen Beziehungen einsetzt. Im Bundestag erscheint der Vater von zwei jungen Töchtern nur noch selten.