Kunstausstellung

Der Kunstverein Offenburg zeigt Sabine Ostermanns Linolreliefs

Eri Sieberts

Von Eri Sieberts

Do, 12. September 2019

Offenburg

Am Freitag eröffnet der Kunstverein Offenburg/Mittelbaden die Ausstellung "Kein Druck ... Linolreliefs" von Sabine Ostermann.

OFFENBURG. Ein weites Spektrum zeigt Sabine Ostermann mit ihren Linolschnitten im Kunstverein Offenburg Mittelbaden. Linolschnitt – das hört sich etwas altbacken an. Linoleum, aus Lein und Öl, ist immer noch ein beliebter Bodenbelag: elastisch und strapazierfähig.

Das allerdings interessiert die Künstlerin Ostermann eher am Rande. Für sie ist der Linolschnitt, das Ritzen, Schaben und Hebeln mit Schneidwerkzeugen Grundlage ihrer künstlerischen Ausdrucksweise. In der Bildenden Kunst kommt Linolschnitt zum Einsatz, indem man die vorbereitete Druckplatte einfärbt und auf Papier druckt. Sabine Ostermann interessiert sich jedoch nicht für die Vervielfältigung ihrer Werke, für sie ist die Druckplatte selbst das Kunstwerk ein Bildrelief, das sie nicht negativ für den Druck, sondern positiv zum Betrachten bearbeitet.

Sabine Ostermann zeichnet, kratzt, schneidet Strukturen, Linien, Geflecht, Seile, Stoffe und Menschen aus dem Retro-Material. Deshalb haben selbst Szenen wie Menschen mit Einkaufswagen und Smartphone oder moderne Architektur immer einen Hauch von Geschichte.

Alles ist mit allem verbunden. Ostermann webt Flächen flicht Objekte und verbindet menschliche Figuren, indem sie diese sich mit den Linien und Fasern beschäftigen lässt. Allegorien des Vernetztseins in der heutigen medialen Welt. Zu dunklen Tönen setzt sie Neonfarben: Menschen weben sich eine Stadt aus Fäden oder suchen in einem Haufen von Schnüren, Gürteln und Bändern ein nicht definiertes Ziel. Skater rasen durch wilde Schlaufen, Menschen sitzen auf einem Berg von Fasern, es könnten auch sichtbar gemachte Funkwellen sein, wer weiß? Realität und Traum treffen sich hier. Einige Strukturen hat sie ausgeschnitten und wie Plastiken an der Wand befestigt. Dann nehmen die Seile und Wollknäuel und regelrecht Gestalt an. Schließlich beruhigt sich das aufgewühlte Treiben wieder: Im hinteren Raum zeigt Ostermann serielle Muster von Lampen, die in öffentlichen Gebäuden in Berlin zu verorten sind, ebenso Architektur, wie Bahnhöfe oder Restaurants.

Sabine Ostermann ist begeistert vom Material Linoleum und den gestalterischen Möglichkeiten, das dieses bietet. Deshalb ist ihr auch die diesjährige Auszeichnung der ehemaligen Linoleumwerke in Bietigheim-Bissingen sehr wichtig. Aus mehr als 500 Bewerbungen aus aller Welt hat die Jury des Wettbewerbs "Linolschnitt heute" die Künstlerin in diesem Jahr mit dem dritten Preis des Wettbewerbs bedacht.

Sabine Ostermann ist 1968 in Backnang geboren, hat Bildende Kunst und Geschichte in Mainz studiert und später mehrere Jahre in Südfrankreich (Toulouse) gelebt und gearbeitet. Heute lebt sie in Falkensee bei Berlin.

Sabine Ostermann: "Kein Druck ... Linolreliefs", Ausstellung im Kunstverein Offenburg, Amand-Goegg-Straße 2. Vernissage: Freitag, 13. September, 19 Uhr. Geöffnet: Dienstag bis Freitag, 13 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Bis 18. Oktober. Eintritt: 3 Euro. Mehr Infos http://www.kunstverein-offenburg.de