Mysterium

Vor 500 Jahren grassierte in Straßburg eine Tanzwut – warum?

Martin Halter

Von Martin Halter

Sa, 16. Juni 2018 um 12:00 Uhr

Elsass

BZ-Plus Teufelei, Krankheit, ältester Flashmob der Welt? Was war da los, als in Straßburg eine Tanzwut ausbrach? Sicher ist: Es gab jede Menge Sex – und Todesopfer.

An einem Sommertag des Jahres 1518, so berichtet es Daniel Specklins Stadtchronik, tritt in Straßburg eine Madame Troffea auf die Gasse und beginnt plötzlich zu tanzen, erst langsam, dann immer schneller. Andere Frauen und Kinder schließen sich an, manche lachen verlegen, Väter und Ehemänner versuchen ihre Lieben wegzuziehen.

Vergeblich: Am Abend sind es 34, die mit dem Tanzen nicht mehr aufhören können, Ende August 400. Aus Lust und Laune tut es offenbar niemand. Viele "Dantzer" oder "Chorisanten" haben Schaum vor dem Mund, Krämpfe und Schmerzen, manche sterben vor Erschöpfung.

Nichts kann die Tänzer besänftigen
Magistrat, Klerus und Ärzteschaft sind mit ihrem Latein am Ende. Ist das "heiße Blut" schuld, die in der Julihitze aufgekochten Säfte? Ist es teuflische Besessenheit, eine Verhöhnung Christi, wie der Franziskaner Johannes Pauli predigt? Oder vielleicht ein Zeichen für das nahe Ende? Nichts kann die Tänzer besänftigen.

Die Stadtverwaltung schlägt nach der alten Regel "Gleiches bekämpft man mit Gleichem" Tanzbühnen auf, engagiert Pfeifer, Trommler und Profitänzer, um die Meute zu erschöpfen, ihr wildes Treiben zum frommen "Heiltanz" zu verkehren oder wenigstens in gottgefällige Kanäle zu leiten. Aber vor allem die Trommler machen die Tanzwütigen noch rasender. Am 3. August sieht sich der Straßburger Rat genötigt, alle Tanzbelustigungen, ausgenommen Kirchweihfeste und Hochzeiten, zu verbieten.

Natürlich wird auch der zuständige Heilige angerufen
Vitus oder Sankt Veit ...

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