Waldbrände

Der Klimawandel und andere menschengemachte Gründe sind Ursachen der Waldbrände

dpa

Von dpa

Sa, 19. September 2020 um 19:14 Uhr

Panorama

Erst wird das Feuer unterdrückt, dann kommt es umso heftiger zurück – in Kaliforniens Wäldern wüten Dutzende Großbrände.

Es sind Rekorde, die Angst machen können: Ein seit Mitte August wütender Waldbrand in Nordkalifornien hat sich auf eine Fläche von fast 3400 Quadratkilometer Land vorgefressen, es ist das flächenmäßig größte Feuer in der jüngeren Geschichte des "Goldenen Staates". Dutzende Großbrände haben in diesem Sommer mehr Land als je zuvor in einem Jahr zerstört. Fünf Mega-Feuer sind auf die Liste der 20 verheerendsten kalifornischen Brände aller Zeiten vorgerückt. Schlimmer als diese Zahlen sind die Bilder der Zerstörung, auch aus dem Nachbarstaat Oregon. Ortschaften liegen in Schutt und Asche, in panischer Hast konnten viele Anwohner nur wenige Habseligkeiten retten, Dutzende starben in dem Inferno. Dichter Rauch verdunkelt den Sonnenstaat, Rußpartikel der Brände ziehen bis nach Europa (siehe Hintergrund).

Hitzige Debatte über die Ursachen der Katastrophe

Längst sind hitzige Debatten entbrannt über die Gründe für die Katastrophe. Wissenschaftler sehen es als erwiesen an, dass die Klimakrise Wetterextreme wie Trockenheit und Hitze verschärft, die zu heftigeren Waldbränden beitragen können. "Was hier passiert, ist schockierend, aber keine Überraschung", sagt Timothy Ingalsbee. Der Feuerwehrmann und Ökologe ist Leiter des Verbands "Firefighters United for Safety, Ethics & Ecology". "Der Klimawandel hat ideale Bedingungen für große, schnell um sich greifende Waldbrände geschaffen", erklärt Ingalsbee, "höhere Temperaturen, geringere Feuchtigkeit, stärkere Winde, mehr Gewitterstürme mit Blitzen."

Auch Craig Clements, Klimawissenschaftler der San José State University, sagt: "Natürlich ist der Klimawandel real, von Menschen verursacht und an diesen Feuern deutlich abzulesen." Außerdem verweist Clements auf die Anhäufung von leicht brennbarer Biomasse. "In den Wäldern ist zu viel trockenes Unterholz und Buschwerk, das sich schnell entzündet." Für Flammen anfälliger sind auch die durch Dürre und Borkenkäferbefall geschwächten Bäume.

"Der Klimawandel hat ideale Bedingungen für große, schnell um sich greifende Waldbrände geschaffen" Timothy Ingalsbee

Seit Jahrzehnten wird in Kalifornien Feuerunterdrückung praktiziert. Die Feuerwehr geht sofort gegen Waldbrände vor, vor allem, wenn die Flammen Siedlungen bedrohen. In dem Staat mit 40 Millionen Einwohnern leben immer mehr Menschen in feuergefährdeten Regionen. Durch die langjährige Feuerunterdrückung komme es zu einer Anhäufung von brennbarem Material und schließlich zu explosiven Großfeuern, erklärt der US-Ökologe Stephen Pyne. Er und viele andere Experten wünschen sich mehr "gute Feuer" durch häufigeres kontrolliertes Abbrennen von dichter Vegetation, wie es in der Natur regelmäßig vorkomme.

Die Feuersaison 2020 hat in Kalifornien jetzt schon eine Fläche von mehr als 14 000 Quadratkilometern zerstört – ein Rekord. Doch das Schlimmste steht vielleicht noch bevor, gewöhnlich erreicht die Feuersaison im späten Herbst nach einem langen trockenen Sommer ihren Höhepunkt.

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