AUCH DAS NOCH: Semmi verpatzt seine Premiere

Wolfgang Mulke

Von Wolfgang Mulke

Do, 13. Juni 2019

Kolumnen (Sonstige)

Wenn was schief läuft, dann alles. Nicht nur Bahnkunden kennen das – der Bahn selbst geht es ebenso. Softwareexperten des Konzerns haben den Sprachroboter Semmi entwickelt. Sechs Wochen wird der Apparat, dessen künstlicher Kopf sich drehen und dem Betrachter zuzwinkern kann, am Berliner Hauptbahnhof getestet. Fahrgäste können Semmi alles fragen: Wie komme ich am schnellsten in die Stadt? Wann fährt der letzte Zug? Am Frankfurter Flughafen funktionierte der Roboter schon gut, in Tokio auch. In Berlin, wen wundert’s, erst einmal nicht. Da kommen ja auch gleich zwei Chaos-Faktoren zusammen, Hauptstadt und Bahn. So geriet die Premiere vor laufenden Kameras zur Lachnummer. Der Chefentwickler der Sprachsoftware fragte Semmi: "Wann fährt der nächste Zug nach München?" Da musste der Roboter lange überlegen. Die Digital-Vorständin der Bahn versuchte es mit einer kürzeren Strecke: "Wann geht der nächste Zug nach Hamburg?" Semmi war endgültig verwirrt. Auch ein Neustart half nicht. Laut Bahnsprecher hat das WLAN der Telekom nicht funktioniert. Irgendwann antwortete Semmi doch noch. Nur waren die Züge nach München und Hamburg da längst weg.