Astrazeneca

Nachvollziehbare Nutzen-Risiko-Bewertung erwünscht

Gerhard und Dagmar Fuchs

Von Gerhard und Dagmar Fuchs (Schopfheim)

Do, 25. März 2021

Leserbriefe

Zu: "Eine richtige Entscheidung", Tagesspiegel von Bernhard Walker (Politik, 16. März)

Herr Walker hat für sich entschieden, dass ein 0,0004-prozentiges Risiko einer Thrombose für ihn zu hoch ist für einen Impfstoff. Dieser also deshalb sofort für alle gestoppt werden muss. Das kann man so sehen, für sich persönlich, aber nicht für alle anderen als richtig postulieren. Es gibt viele Wissenschaftler und Ärzte wie die britische Zulassungsbehörde (MCA), die diesen Stopp als falsch bewerten.

Ich möchte diese Einschätzung mit ein paar Fakten in einen größeren Zusammenhang stellen. Bisher sind knapp 80 000 Menschen in Deutschland mit etwa 80 Millionen Einwohnern an/mit dem Sars-CoV2-Virus gestorben, also 1:1000. Das Thromboserisiko des Impfstoffs von Astrazeneca ist 1:300 000. Das Thromboserisiko, das eine Frau eingeht, wenn sie ein modernes kombiniertes hormonales Kontrazeptivum (Pille) einnimmt, liegt laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bei etwa zehn von 10 000, das heißt, ungefähr eine von 1000 Frauen erleidet innerhalb eines Jahres eine Thrombose. Diese Arzneimittel sind seit Jahren auf dem Markt. Sie müssten also nach Einschätzung von Herrn Walker auch sofort gestoppt werden. Das wäre dann konsequent.

Viele Menschen würden aber für sich eine andere Einschätzung vornehmen als Herr Walker und freiwillig ein 1:1000-Risiko des Sars-CoV2-Virus gegen ein 1:250000-Risiko einer Thrombose eintauschen wollen. Wir wünschen uns sehr schnell eine aktuelle, nachvollziehbare Nutzen-Risiko-Bewertung zum Impfstoff von Astrazeneca durch die zuständigen europäischen und deutschen Behörden. Gerhard und Dagmar Fuchs, Schopfheim