Niedriger Damm, geringste Eingriffe in die Natur

Franziska Kiele

Von Franziska Kiele

Mi, 07. April 2021

Wittnau

HOCHWASSERSCHUTZ II: Wittnau legt sich auf Variante zwei fest.

. Die vier Varianten für ein Hochwasserrückhaltebecken hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Wittnau Bürgermeister Jörg Kindel vorgestellt. Das Gremium hat sich schnell auf eine Variante einigen können.

Die vier Möglichkeiten haben alle einen unterschiedlichen Einfluss auf die Umgebung des Gebiets Stockenhöfe in Wittnau: Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung die Varianten genau angeschaut und die Argumente dafür und dagegen abgewogen. Dass die erste Bauvariante nicht umsetzbar ist, stand schnell fest. Der Eingriff in das Biotop vor Ort wäre laut Gemeinderat zu groß. Bei der Variante zwei müsste im Gebiet Stockenhöfe eine Umgehungsstraße gebaut werden, damit Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge die Klinik Stockenhöfe erreichen können. Das Rückhaltebecken bei der dritten Variante würde in dem Gebiet etwas weiter nördlicher liegen. Die vierte Variante würde sich noch weiter in Richtung Au befinden. Durch den Bau würde wie bei der ersten Variante tief ins Biotop eingegriffen werden müssen.

Jürgen Lieser von Natürlich Wittnau (NaWi) stellte die Frage, welche Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit ein Hochwasserrückhaltebecken habe. "Wir investieren hier ein Wahnsinnsgeld", merkte er an. "Die grundsätzliche Diskussion haben wir bis Juli 2020 geführt", betonte Jörg Kindel. Fachleute hätten beschlossen, dass das Becken notwendig sei, um den Hochwasserschutz zu gewährleisten.

Susanne Kreusel von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) favorisierte die zweite Variante. "Mit acht Metern ist dieser Damm am niedrigsten", sagte sie. Auch Klaus-Dieter Trescher von der FWG plädierte für Variante zwei, da diese der kleinere Eingriff in die Natur sei. Christa Kamper von NaWi stimmte dem ebenfalls zu. Bürgermeister Kindel betonte, dass nach der Entscheidung Gespräche mit den Grundstückseigentümern über Entschädigungen aufgenommen würden.

Biologe Michael Bauer vom Büro Faktorgrün in Freiburg merkte an, dass man auch bei einem geringen Eingriff ins Biotop Ersatz an einem anderem Ort finden müsse. Faktorgrün begleitet die Gemeinde bei Fragen rund ums Thema Umwelt.

Die Herstellungskosten für die Variante zwei würden 3,8 Millionen Euro betragen. Von der Landesförderung würden bis zu 70 Prozent der Kosten übernommen werden. Laut dem Kostenverteilungsschlüssel zahlt die Gemeinde Merzhausen 65,1 Prozent, Wittnau 9,4 Prozent der verbleibenden Kosten, die Gemeinden Au 13,1 Prozent und Horben 12,4 Prozent. Für alle geplanten Hochwasserbecken, die in Au, Horben, Merzhausen und Wittnau gebaut werden sollen, gilt derselbe Kostenverteilungsschlüssel.

Mit zehn Ja-Stimmen und einer Enthaltung seitens NaWi empfiehlt der Gemeinderat Wittnau der Verwaltungsgesellschaft Hexental am Standort Stockenhöfe die Variante zwei zu realisieren.