Österreich im Ischgl-Prozess unnachgiebig

dpa

Von dpa

Sa, 18. September 2021

Ausland

Keine einvernehmliche Lösung.

Es geht ihnen nicht um Geld. Zumindest nicht hauptsächlich. Bei dem ersten Prozess um den Corona-Ausbruch im Tiroler Skiort Ischgl machten Angehörige von Todesopfern am Freitag im Wiener Landgericht klar, dass für sie Transparenz und Verantwortung im Vordergrund stehen. Die Witwe und der Sohn eines an Corona gestorbenen Österreichers, der sich bei der chaotischen Abreise aus Ischgl im Winter 2020 angesteckt haben soll, fordern rund 100 000 Euro Schadenersatz vom Staat. Das Urteil wird schriftlich ergehen.

"Mir geht es um Gerechtigkeit", betonte der Sohn am Rande des Prozesses. "Falls es einen Schadenersatz gibt, werden wir das Geld natürlich spenden", sagte er und verwies auf karitative Organisationen. Sein 72-jähriger Vater starb im April 2020 mit einer schweren Covid-19-Erkrankung, kurz nachdem er von einem Skiurlaub mit Freunden aus dem Après-Ski-Paradies zurückgekehrt war.

Die Familie des Österreichers ist nicht die einzige, die auf Schadenersatz klagt. Auch mindestens 15 andere Angehörige sind der Ansicht, dass Österreichs Behörden im März 2020 zu spät auf die ersten Infektionen in Ischgl reagierten und dass die unkontrollierte Massenabreise der Gäste zu weiteren Ansteckungen und zur Verbreitung des Virus in Europa führte.

Österreichs Rechtsvertreter lehnen daher auch eine einvernehmliche Lösung ab, wie sie Klägeranwalt Alexander Klauser vorschlug. Die Republik vertritt die Auffassung, dass Regierung und Behörden mit dem damaligem Wissen über das Virus richtig handelten und die Klage deshalb grundlos ist.