Experten ordnen die Offenburger Globuskarte ein

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 18. Mai 2019

Offenburg

Vorträge in Ritterhaus-Museum und Stadtbibliothek befassen sich mit Originalen und Fälschungen sowie politischer Wirkung.

OFFENBURG (BZ). "Die Globuskarten des Martin Waldseemüller – Originale, Reproduktionen, Fälschungen": So lautet das Thema eines Vortrags am Dienstag, 21. Mai, um 19.30 Uhr, der im Foyer des Museums im Ritterhaus in Kooperation mit der Stadtbibliothek Offenburg stattfindet. Jan Mokre stellt die erhaltenen Exemplare der Martin Waldseemüller zugeschriebenen Globuskarten, Reproduktionen aus dem 19. Jahrhundert und auch die bekannt gewordenen Fälschungen aus dem 20. Jahrhundert vor. In einem Epilog werden vergleichbare Drucke vorgestellt und diese speziellen kartographischen Ausdrucksmittel in Beziehung zur Geschichte der Globen im 16. Jahrhundert gesetzt. Jan Mokre ist Leiter des Globenmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien und Autor zahlreicher Publikationen zur Geschichte der Kartographie und Globen.

Geographische Karten stehen immer auch in einem politischen Zusammenhang. Martin Lehmann, Privatdozent an der Universität Freiburg, geht am Donnerstag, 23. Mai, 20 Uhr, in der Stadtbibliothek auf den Zusammenhang der Weltkarten von Martin Waldseemüller mit dem Konflikt zwischen der portugiesischen und der kastilischen Krone um die Vormachtstellung im Gewürzhandel mit Indien ein. Martin Lehmann hat über "Die Cosmographiae Introductio Matthias Ringmanns und die Weltkarte Martin Waldseemüllers aus dem Jahre 1507 – Ein Meilenstein frühneuzeitlicher Kartographie" promoviert. Der Zusammenhang von Geographie und Politik ist im Zusammenhang mit der Waldseemüller-Karte bisher wenig beachtet worden. Dabei ist Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts der Seeweg nach Indien entlang Afrikas Westküste und vorbei am Horn von Afrika hin zum Indischen Subkontinent von portugiesischen Entdeckern erschlossen worden. Die hohen Profite, die sich dank des jetzt möglich gewordenen Direkthandels mit Asien erwirtschaften ließen, waren Antrieb und Grundlage der kolonialen Expansion Europas in den folgenden Jahrhunderten. Denn vorher verdienten auf dem Landweg etliche Zwischenhändler mit. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit wurden Pfeffer, Nelken, Muskat und Zimt auch als Konservierungsstoffe und Grundlage für Arzneimittel verwendet. Die Preise fielen, Nachfrage und Verdienstmöglichkeiten stiegen. Die Entdeckung der Welt begann.