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Mount Everest

Ohne Beine auf den höchsten Berg der Welt

  • dpa

  • Mo, 26. Februar 2024, 14:29 Uhr
    Panorama

     

Einmal auf dem Dach der Welt stehen: Das ist für viele Menschen ein Traum – und kostet einige das Leben. Ein Mann ohne Beine und ein Blinder erzählen, warum sie das Abenteuer trotzdem wagten.

Laut einer Expertenzählung schafften es 26 Bergsteiger mit Behinderung auf den Mount Everest. Foto: Zhang Rufeng (dpa)
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Mark Inglis läuft auf Prothesen – hat aber etwas geschafft, das viele Menschen an ihre körperliche Grenze bringt: Der Neuseeländer hat den höchsten Punkt der Erde erreicht, den 8849 Meter hohen Gipfel des Mount Everest. Und er erzählt, dass er beim Aufstieg kaum mehr Hilfe gebraucht habe als andere Bergsteiger. "Ich habe keine Behinderung", betont der 64-Jährige im Interview. "Ich habe einfach eine zusätzliche Komplikation bei meinem Training und muss mich viel mehr auf den Berg konzentrieren und mich mehr anstrengen."

"Meine Familie und Bergsteigerfreunde wussten immer, dass ich den Everest besteigen würde" Mark Inglis
Inglis liebt das Bergsteigen seit seiner Jugend. Zu einer Zeit, als er noch Beine hatte – habe er damit angefangen, erzählt er. Die große Leidenschaft blieb auch dann noch, als er sich am Mount Cook in der Heimat schwere Erfrierungen zuzog und seine Beine unterhalb der Knie amputiert werden mussten. "Meine Familie und Bergsteigerfreunde wussten immer, dass ich den Everest besteigen würde", sagt er. "Der Berg ist so etwas wie die Weltmeisterschaft für einen Bergsteiger."

Diese riskante WM bestreiten nur wenige Menschen mit Behinderung. Nach Angaben des Archivs "Himalayan Database" schafften es von 26 von ihnen auf die Spitze. Einige nutzten dabei Helikopter.

Inglis bestieg den Everest im Mai 2006 zusammen mit anderen Bergsteigern ohne Behinderung. "Nur beim Abstieg habe ich widerwillig Hilfe angenommen, um sicherzustellen, dass alle schnell vom Berg herunterkommen", sagt er.

Menschen mit Behinderung war es kurzzeitig verboten, den Mount Everest zu erklimmen

Der Mount Everest liegt auf der Grenze zwischen der autonomen Region Tibet in China und Nepal. Im Jahr 2017 verbot die nepalesische Regierung Menschen mit Behinderung, Gipfel zu erklimmen, die höher als 6500 Meter sind. Begründung: Sorge um die Sicherheit und das Wohlergehen der Betroffenen. Doch unter anderem ein sehbehinderter Bergsteiger klagte dagegen. Das Höchste Gericht in Nepal gab ihnen recht – und erlaubte das Bergsteigen 2018 wieder für alle.

Der Chinese Zhang Hong wollte mit der Besteigung des Mount Everest im Mai 2021 vor allem sich selbst etwas beweisen – und seiner Frau. "Nachdem ich meine Sehkraft mit 21 Jahren verloren habe, wollte ich immer etwas tun, um mein Leben aufregender zu machen", sagt er im Interview. Zhang lebte da schon lange in Lhasa, der Hauptstadt von Tibet. Als er anfing, wegen Grünem Star zu erblinden, habe seine Frau ihn geheiratet – entgegen dem Rat von anderen Menschen. "Ich wollte immer etwas tun, um mich zu beweisen und ihr zu zeigen, dass sie mich heiratete, ohne dabei etwas zu verlieren", sagt er.

"Ich hörte das Geräusch vieler Gebetsfahnen, die im Wind flatterten" Zhang Hong

Für seine Idee, mit 46 Jahren das Dach der Welt zu besteigen, hätten ihn viele als verrückt bezeichnet, erzählt er. Zumal der heute 49-Jährige nach eigenen Worten anfangs keine Erfahrung im Bergsteigen hatte. Mit einem Bergführer erstieg Zhang noch im selben Jahr einen 5800 Meter hohen Berg. "Obwohl ich die Umgebung nicht sehen konnte, wehte mir der Wind ins Gesicht und ich roch den Geruch von Schnee, aber am wichtigsten: Ich hörte das Geräusch vieler Gebetsfahnen, die im Wind flatterten", berichtet er.

Für den anspruchsvollen und teuren Gang zum Everest reichte das nicht. Um in Form zu kommen, stieg er täglich mehrere Stunden mit 20 bis 30 Kilogramm Gepäck und Bergstiefeln an den Füßen sein Treppenhaus bis in den zwölften Stock hinauf. Das Geld für seine mehrmonatige Reise lieh er sich, ein Teil kam per Crowdfunding zusammen.

Bergführer und Kameramann schafften es nicht bis nach oben

Bei seinem Abenteuer begleitete ihn ein Filmteam. Die Dokumentation "Invisible Summit" ("Unsichtbarer Gipfel") kam 2023 ins Kino. Der Film zeigt auch, wie schwierig es für seinen Bergführer war, ihn heil über Schluchten und Eismassen zu bringen. Knapp unterhalb des Gipfels hätten der Bergführer und der Kameramann nicht mehr gekonnt, erzählt Zhang. Er musste anderen Bergführern vertrauen, die weder Englisch noch Chinesisch sprachen.

Zhang sagt, die Everest-Besteigung habe ihn selbstbewusster gemacht. Früher habe er sich Gedanken über das gemacht, was andere von ihm hielten – heute nicht mehr.

Ressort: Panorama

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