Ein Paradies für Wildbienen

Christine Speckner

Von Christine Speckner

So, 19. Mai 2019

Opfingen

Der Sonntag Der Nabu eröffnet in Opfingen einen Lehrgarten für mehr Artenvielfalt.

Was kann man gegen das Sterben von Pflanzen und Tieren tun? Ideen bietet der Wildbienen-Lehrgarten des Naturschutzbundes (Nabu) Freiburg in Opfingen. Das Projekt wurde mit dem Landesnaturschutzpreis ausgezeichnet und wird kommenden Samstag eröffnet.

Malve, Natterkopf, Margerite und Wiesensalbei: Es ist bemerkenswert, in welch kurzer Zeit es dem Nabu-Arbeitskreis "Wildbienen" gelungen ist, einen naturnahen Garten anzulegen, wo es nur so summt und brummt. Im Mai 2017 hatte der Nabu Freiburg das 2000 Quadratmeter große Gelände gekauft, im Sommer den Wildbienen-Lehrgarten geplant und im Herbst mit der Arbeit begonnen.

Josef Aschenbrenner, einer der 40 Freiwilligen, die sich bei dem Projekt ehrenamtlich engagieren, zeigt ein Foto von den Abbrucharbeiten am Garten. Darauf sind die Helfer auf langen Aluleitern zu sehen, wie sie mit schwerem Gerät die gut acht Meter hohe Böschung von starkwüchsigen Pflanzen befreien – kein Vergleich zum nun angelegten Wildbienen-Lehrgarten.

"Inzwischen haben sich 80 Wildbienenarten angesiedelt", sagt Dagmar Reduth vom Nabu-Arbeitskreis Wildbienen. Diese Zahl haben Biologen für Naturschutz und Landschaftsökologie von der Universität Freiburg nachgewiesen. Ziel des Gartenprojekts ist es, mit einfachen Mitteln den vom Aussterben bedrohten Arten Nistmöglichkeiten zu bieten, erklärt Reduth.

Zum Nisten dient Wildbienen im Lehrgarten ein Blühstreifen mit pollenreichen Wildblumen, die am Tuniberg heimisch sind. Reduth zeigt auf die violette Blüte einer Witwenblume, auf der gerade eine krabbelt. "Das ist die gelbbindige Furchenbiene. Sie ist an den markanten ockergelben Querstreifen auf dem Hinterleib zu erkennen." Viele Wildbienenarten seien auf Pollen ganz bestimmter Pflanzen angewiesen, um ihre Nachkommen zu versorgen. Deshalb gebe es im Lehrgarten besonders wildbienenfreundliche Pflanzen. Eine eigens dafür angelegte Wiese bietet zusätzlich Lebensraum für Insekten.

Im Lehrgarten stecken 600 Stunden Arbeit

Neben nektar- und pollenreichen Wildblumen gibt es auf dem Gelände Stauden und Küchenkräuter sowie blühendes Gemüse. Auch für die Ernte leisten gerade Wildbienen einen wichtigen Beitrag, betont Josef Aschenbrenner: "An kalten Schlechtwettertagen im Frühjahr sind es vor allem Wildbienen, die die Bestäubung von Obstbäumen übernehmen. Sie fliegen auch dann noch, wenn die Honigbiene kältebedingt nicht aktiv ist."

Mehr als 600 Arbeitsstunden haben die Nabu-Mitarbeiter bisher in das Projekt Wildbienen-Lehrgarten gesteckt. Einige Beete haben Schulklassen in Kooperation mit der Stiftung Waldhaus Freiburg gestaltet. "Wir sind aber noch nicht fertig", meint Reduth. Geplant sind Infotafeln für Besucher, denn ab kommendem Samstag, 25. Mai, ist der Lehrgarten dann für die Öffentlichkeit zugänglich.

Mit dem naturnahen Garten will der Arbeitskreis Wildbienen Möglichkeiten aufzeigen, wie Menschen zuhause auf dem Balkon einen Beitrag zum Naturschutz leisten können. Reichen dafür nicht auch Insektenhotels?"Das allein bringt wenig, wenn man daneben einen aufgeräumten Garten hat", sagt Dagmar Reduth. Nur ein kleiner Teil Wildbienen gehe in die Hohlräume eines Insektenhotels. Zusätzlich sollten auch Pollenpflanzen gesetzt werden, etwa Glockenblumen oder einfach Küchenkräuter, deren Blüten eine wichtige Nahrungsquelle sind. Im Opfinger Lehrgarten wachsen übrigens auch weniger bekannte Stauden wie wilder Spargel oder die rosa blühende Esparsette, ein sehr guter Nektar- und Pollenspender.

Obwohl der Platz, der unterhalb des Opfinger Aussichtsturms auf einem besonnten Aussichtsplateau liegt, eher unauffällig, von der Straße kaum einsehbar ist, kamen vor kurzem zwei interessierte Frauen aus Opfingen vorbei, berichtet Reduth. "Die Vielfalt hat sie wohl beeindruckt. Sie wollen statt Geranien jetzt mal was anderes pflanzen."
Eröffnung Wildbienen-Lehrgarten, am Ortsausgang Opfingen Richtung St. Nikolaus, linke Seite, Samstag, 25. Mai, 10 bis 16 Uhr.