Tierschutz

Debatte: Wie gut geht es Flippers Nachfahren?

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Mi, 10. Mai 2017 um 00:01 Uhr

Panorama

Sie gelten als sehr intelligent und sind bei Kindern wie auch Erwachsenen gleichermaßen beliebt. Keine Frage – Delfine sind echte Sympathieträger. Nicht zuletzt deshalb gehören sie auch für einige Zoos in Europa zu den Hauptattraktionen.

In Frankreich soll dies nun ein Ende haben. Am Samstag veröffentlichte die dortige Umweltministerin Ségolène Royal einen Erlass, mit dem die Nachzucht von Delfinen und Orcas in Gefangenschaft verboten wird. Tierschützer jubeln – und fordern ähnliches für Deutschland.

Es sind nicht mehr viele Zoos in Deutschland, die Delfine halten. Nur in Duisburg und Nürnberg können Besucher den Meeressäugern noch so richtig nahe kommen. Das ist nicht viel, wenn man berücksichtigt, dass bis vor wenigen Jahrzehnten noch 14 Einrichtungen – zoologische Gärten ebenso wie Freizeitparks – eigene Delfinarien hatten. Selbst im Europa-Park in Rust lebten bis 1993 noch einige Tiere.

Doch auch die Delfinhaltung in Nürnberg und Duisburg wird von Tierschützern kritisiert. "Wir lehnen das komplett ab", sagt Henriette Mackensen von Deutschen Tierschutzbund. "Delfine sind hochintelligente, soziale Lebewesen, die man in Zoos niemals artgerecht halten kann", sagt die Tierärztin. In freier Wildbahn legten sie pro Tag um die 50 Kilometer zurück, würden in Tiefen bis zu 300 Meter schwimmen und oft in großen Familienverbünden unterwegs sein. All das könne man in keinem Zoo gewährleisten. Hinzu komme, so Mackensen, dass die Tiere oft mit Psychopharmaka ruhiggestellt würden. Auch bei Greenpeace sieht man das ähnlich. "Delfinarien sind nicht mehr zeitgemäß", sagt der Meeresbiologe Thilo Marck. Die Becken, egal wie groß sie sind, würden dem Freiheitsdrang der Tiere niemals gerecht werden.

Allerdings hat sich auch bei der Delfinhaltung in den vergangenen Jahrzehnten einiges getan. In Duisburg etwa hält man bereits seit 1965 Delfine und hat die Becken erst 1995 deutlich vergrößert. In Nürnberg wurde sogar erst 2011 für 24 Millionen Euro eine neue Delfinlagune gebaut, so dass den acht Tieren nun insgesamt 1445 Quadratmeter Gesamtwasserfläche zur Verfügung stehen.

Für Volker Homes vom Verband der Zoologischen Gärten ist das absolut ausreichend. "Die Zoos bilden einen Ersatzlebensraum und versuchen viele Eigenschaften des echten Lebensraums nachzuempfinden", sagt Homes und verweist darauf, dass die Tiere in freier Wildbahn nur deshalb lange Distanzen zurücklegten, weil sie sonst keine Nahrung finden würden. In den Zoos bräuchten sie das nicht – und würden sich trotzdem wohlfühlen. Homes verweist auf die hohe Lebenserwartung der Tiere in Zoos. "Daran sieht man, dass es den Tieren gut geht."

Hinzu kommt bei den Delfinarien allerdings ein weiterer Aspekt, der die Haltung der Meeressäuger von der der meisten anderen Zootiere unterscheidet. Wo letztere meist nur zu Fütterungszeiten Kontakt zu Menschen haben, werden Delfine trainiert und zeigen vor großem Publikum diverse Kunststücke. Sie springen auf Kommando, fangen Fische aus der Luft, schwimmen in Formationen. Eine Show sei das allerdings nicht, betont Homes. Vielmehr sei dies ein natürliches Verhalten. "Das hält die Tiere geistig und körperlich fit", sagt Homes.

Ähnlich sieht man das im Duisburger Zoo selbst, wo es zweimal am Tag Vorführungen mit den Delfinen gebe. "Wir benutzen keine Lichteffekte, keine Musik", betont die zuständige Kuratorin Kerstin Ternes. Artgerecht sei die Haltung im Zoo nicht, gibt Ternes zu, aber sie sei tiergerecht. Sprich: Die Natur könne man nicht kopieren – aber den einzelnen Tieren gehe es trotzdem gut. Sieben Delfine gebe es derzeit in Duisburg – drei davon seien Jungtiere, die auf natürliche Weise entstanden seien.

Ob – und wie lange noch – die Delfinhaltung in Deutschland eine Zukunft hat, ist nicht entschieden. Erst 2016 brachten die Grünen einen Antrag in den Bundestag ein, in dem sie die Haltung der Meeressäuger verbieten wollten.