Getrennte Pfade

Prinz Harry über Spannungen mit seinem Bruder

Vivian Chang und Christof Bock, dpa

Von Vivian Chang, Christof Bock & dpa

Mo, 21. Oktober 2019 um 14:57 Uhr

Panorama

Früher passte kein Blatt zwischen die britischen Prinzen. Jetzt äußert sich Harry so deutlich wie nie über eine wachsende Distanz zu William: "Es passieren unweigerlich Dinge."

Kenner des britischen Königshauses tuscheln schon seit Monaten über einen Zickenkrieg zwischen Kate und Meghan, der einen Keil zwischen die Prinzen William und Harry getrieben habe. Bisher ließen die Royals Berichte über Spannungen unter den Brüdern vornehm unkommentiert und lächelten alles weg. Jetzt kommt die Kehrtwende. "Er hat sein Schweigen gebrochen", jubelt die "Sun".

Harry sagt in einem Interview des britischen Senders ITV über das einst innige Verhältnis zu seinem Bruder William (37): "Wir sind derzeit sicherlich auf unterschiedlichen Pfaden." Der 35-Jährige äußert sich in einem am Sonntagabend ausgestrahlten Dokumentarfilm. Zugleich betont er, er werde immer für William da sein - und umgekehrt.

Bisher waren es eher Indizien, die auf Risse unter Dianas Söhnen hindeuteten. Palastexperten machen Kate (37) und Meghan (38) dafür verantwortlich. Angeblich tobt eine harte Konkurrenz unter den beiden Mittdreißigerinnen. Zunächst zogen Prinz Harry und Herzogin Meghan im Frühjahr aus dem Kensington-Palast in London, auf dessen Grundstück sie mit William und Kate gelebt hatten. Sie wohnen seither in der Nähe von Königin Elizabeth II. (93) in Windsor.

Auch der Social-Media-Auftritt der Paare wurde aufgespalten. Der einst gemeinsame Twitter-Account wird nun nur noch im Namen von Kate und William geführt. Harry und Meghan, die im Mai 2018 geheiratet hatten, sind jetzt ausschließlich auf Instagram unter der Marke "Sussex" vertreten. Presseanfragen werden nicht mehr vom selben Team beantwortet.

Im Juni kündigten der Herzog und die Herzogin von Sussex - so ihre offiziellen Titel - dann auch noch an, sie wollten ihre eigene Stiftung gründen - und somit ihr soziales Engagement stärker von William und Kate trennen. Zusammenarbeiten wollen sie aber weiterhin im Bereich psychische Gesundheit, die den Queen-Enkeln ein besonderes Anliegen ist.

Meghans Ansehen hinter den Palastmauern ist nicht ganz klar. Sie gelte als überheblicher Sturkopf, der sich nicht immer an die royalen Spielregeln halte, heißt es in Berichten. Doch nie werden Ross und Reiter für solche Behauptungen genannt - stets ist lediglich von "Quellen" die Rede.

Trotz allem gelten Harry und William als enge Vertraute. Noch zu seiner Hochzeit vor eineinhalb Jahren wählte Harry seinen großen Bruder als Trauzeugen - so wie er es einst bei ihm und Kate war.

Britische Medien spekulieren nun, dass das Sussex-Paar zeitweise das Vereinigte Königreich verlassen könnten: Vielleicht ziehen sie in Meghans Heimatland USA - oder gar nach Afrika? Dieser Kontinent hat es sowohl Harry als auch Meghan angetan. Beide haben eine starke Affinität zu dem Kontinent.

Die Gründe für die Spannungen sieht Harry in seiner Rolle als Prinz und als Mitglied der königlichen Familie sowie in dem Druck, unter dem seine Familie stehe: "Es passieren unweigerlich Dinge, aber wir sind Brüder. Wir werden immer Brüder sein." Das klingt nach Scherben.

"Wir sehen uns nicht mehr so oft wie früher, da wir so beschäftigt sind", sagt Prinz Harry über sein Verhältnis zu seinem Bruder. "Aber ich liebe ihn sehr, und der Großteil der (Spekulationen) ist aus dem Nichts entstanden." Als Brüder habe man gute und schlechte Tage.

Harry war im September mit Meghan und ihrem ersten Kind Archie in Südafrika zu Besuch. Allein reiste er nach Angola, Botsuana und Malawi weiter. Er selbst war im südlichen Afrika in diversen Umwelt- und Tierschutzprojekten aktiv und nennt die Region seine zweite Heimat. Der Dokumentarfilm des Senders ITV "Harry & Meghan: An African Journey" (Harry & Meghan: Eine afrikanische Reise) wurde am Sonntagabend ausgestrahlt.