Die Mischung macht’s

Claudius Lüder

Von Claudius Lüder (dpa)

Sa, 17. Oktober 2020

Auto & Mobilität

Alle Jahre wieder kommt die Winterreifenzeit.

Wenn es draußen nass und kalt wird, ist es Zeit für eine wintergerechte Autobereifung. Seit 2010 ist diese gesetzlich vorgeschrieben, wenn winterliche Straßenverhältnisse herrschen, also bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Infrage kommen reine Winterreifen, Ganzjahresreifen oder runderneuerte Pneus dieser beiden Sorten.

Ein festes Startdatum jedoch gibt es nicht, denn es handelt sich um eine "situative Winterreifenpflicht", so der ADAC. Als Faustformel gelte aber der Zeitraum von Oktober bis Ostern. Wer die Winterreifenpflicht bei winterlichen Straßenverhältnissen missachtet, riskiert ein Bußgeld von mindestens 60 Euro sowie einen Punkt in Flensburg.

Ob ein Reifen für den Einsatz im Winter zugelassen ist, lässt sich an der Reifenkennzeichnung ablesen: "Entscheidend ist das Alpin-Symbol, also das Bergpiktogramm mit Schneeflocke auf der Reifenwand", sagt Michael Schwämmlein vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV). Daneben sind bis zum 30. September 2024 auch noch Reifen mit der M+S-Kennzeichnung für den Winter zugelassen, sofern die Pneus bis Ende 2017 produziert wurden.

Technisch gesehen unterscheiden sich Reifen für den Winter vor allem durch die Gummimischung und das Profil von Sommermodellen: "Winterreifen besitzen eine weiche Gummimischung. Die sorgt bei kalten Temperaturen für kurze Bremswege", erklärt Antonia Eckert vom Auto-Club Europa (ACE). "Außerdem besitzen Winterreifen viele Lamellen, also kleine wellenförmige Einschnitte in den Profilblöcken, die maßgeblich dazu beitragen, dass der Winterreifen auf Schnee und Eis eine bessere Haftung hat."

"Reine Winter- wie Sommerreifen sind Spezialisten für die jeweilige Jahreszeit, während der Ganzjahresreifen einen Kompromiss darstellt", sagt Schwämmlein. "Ein Ganzjahresreifen kommt an diese Spezialisten nicht heran, das macht sich vor allem im Sommer durch ein schlechteres Handling und einen längeren Bremsweg bemerkbar."

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der ACE nach einem Test. "Für Wenigfahrer, die nicht auf das Auto angewiesen sind und den Wagen bei Extremwetterlagen auch stehen lassen können, sind diese Reifen aber durchaus eine Möglichkeit", so Eckert. Wer häufig in Gebieten mit winterlichen oder extremen sommerlichen Bedingungen mit dem Auto unterwegs ist, sollte aber nicht zum Ganzjahresreifen greifen, sagt Schwämmlein.

Eine weitere Alternative für den Winter sind runderneuerte Reifen. "Diese Reifen kommen als umweltbewusste Alternative zu Neureifen infrage. Sie unterliegen in der Typengenehmigung ähnlichen Vorgaben wie Neureifen", erläutert Schwämmlein.

Wer ins winterliche Ausland reisen will, sollte die jeweiligen Landesvorschriften kennen. So gilt etwa in Österreich für Winterreifen ein Mindestprofiltiefe von 4 Millimetern, während in Deutschland 1,6 gesetzlich ausreichend sind. Die Experten raten aber auch hier zu mindestens 4 Millimetern.