Kurz gemeldet: Große Angst vor kleinen Tieren

dpa

Von dpa

Sa, 17. Oktober 2020

Bildung & Wissen

Spinnenphobie ist verbreitet.

Zu Halloween kommt so mancher Spinnenphobiker aus dem Gruseln kaum mehr heraus: Überall hängen und sitzen Achtbeiner aus Plüsch oder Plastik. "Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal im Leben unter einer Tierphobie, aber die Menschen mit Spinnenphobie bilden die weitaus größte Gruppe", sagt Angstforscher Georg Alpers von der Universität Mannheim.

Spinnenphobiker untersuchen vorm Schlafengehen ihr Bett, meiden Spaziergänge im Wald oder weigern sich, sich auf eine Wiese zu setzen – alles, um unliebsamen Begegnungen mit den Tierchen zu entgehen. "Da entsteht enormer Leidensdruck", sagt Psychologe Alpers. Angehörige sollten sich vor Sätzen wie "Jetzt reiß’ dich doch zusammen" hüten: "Die Betroffenen wissen selbst, dass ihr Verhalten nicht angemessen ist." Trost und Unterstützung seien hilfreicher.

Spinnenphobiker entwickeln beim Anblick der Tiere Symptome wie ein 100-Meter-Läufer kurz vorm Start: Schweiß, Herzklopfen und Anspannung aller Sinne. Auch die Wahrnehmung der Spinnenphobiker unterscheidet sich von der anderer Menschen, wie Alpers zeigen konnte. In Experimenten erkannten sie Spinnen schneller und nahmen sie über einen längeren Zeitraum wahr als andere. Es gibt aber Hilfe: Zwölf Sitzungen beim Psychologen mit verhaltenstherapeutischer Zusatzausbildung könnten schon helfen, so Alpers.

Diese Ängste, fanden Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig heraus, sind offenbar tief im Menschen verwurzelt. Denn schon kleine Kinder im Alter von sechs Monaten reagierten der Untersuchung zufolge gestresst auf Bilder von Spinnen oder Schlangen.