Essay

Warum die Klimakatastrophe nicht kommen wird

Daniel Dettling und Matthias Horx

Von Daniel Dettling & Matthias Horx

So, 10. März 2019 um 09:44 Uhr

Bildung & Wissen

BZ-Plus Die Klimakatastrophe übersteigt unser Vorstellungsvermögen – deshalb übertreiben wir sie ins Bizarre. Ein Plädoyer für einen neuen Öko-Realismus. Wenn schon nicht Optimismus.

Heißzeit – das Wort des Jahres 2018 erinnert daran, dass es jenseits von Populismus und Fremdenangst, Shitstorms gegen alles und jedes und Datenklau noch etwas gibt, das uns alle verbindet: Wir leben zusammen auf einem blauen Planeten. Der ist, wie der neue deutsche Orbitstar Alexander Gerst wieder einmal klarmachte, eine wahre Schönheit. Um die wir uns kümmern können. Aber warum bleibt die Klimabewegung immer wieder in einem Sumpf von Besserwisserei, Pessimismus und Zynismus stecken – Motto: Bringt sowieso nichts, ich kauf mir lieber schnell noch einen SUV?

Die Klimakatastrophe übersteigt unser Vorstellungsvermögen – deshalb übertreiben wir sie ins Bizarre. In Filmen wird sie als finaler Untergang der Menschheit erzählt. Je drastischer, umso besser. Es ist kein Zufall, dass es ein Deutscher war, der das Thema als Apokalypse auf die Hollywoodleinwand brachte. Roland Emmerich drehte in den Zeiten erster Klima-Alarme "The Day After Tomorrow" und "2012", Filme, in denen die Erde erst einfror und am Ende selbst der Himalaya unter Wasser steht.

Das Thema übersteigt unser Vorstellungsvermögen und rührt zugleich an archaische Wahrnehmungsmuster von Schuld, Sühne und Strafe. Es führt zu zahlreichen "Kategorienfehlern" – wir verwechseln das Wetter mit dem Klima und Zufallseffekte mit Kausalitäten. Das führt zu einer Spirale von Angst und Hysterie, die sich leicht in Zynismus entlädt – oder in einer Retterpose, die aufgesetzt wirkt.

Darum haben es Demagogen leicht, den Klimawandel als menschengemacht zu leugnen. Und darum fällt der großen Mehrheit Optimismus schwer. Entweder es ist alles zu spät. Oder alles ist übertrieben. Dabei ist der notwendige Wandel längst im Gange – auch in den Köpfen. Die große Mehrheit will Umfragen zufolge mehr Klimaschutz.

Aber – es fehlt ein verbindendes Element: Handlungsoptimismus, nicht die Strafe des Verzichts, sondern Lust auf ...

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