Schutz auf Reisen

Zu spät am Ziel, Gepäck weg: Diese Rechte haben Fernbusreisende

Jule Zentek

Von Jule Zentek (dpa)

Sa, 14. November 2020 um 00:15 Uhr

Reise

Einsteigen und abschalten? Auch bei Fahrten mit dem Fernbus können Probleme auftreten – doch es gibt klare Regelungen.

Erst Verspätung – und dann ist noch das Gepäck weg. Hin und wieder können solche Probleme auch bei Reisen mit dem Fernbus auftreten. Doch die Passagiere haben klar definierte Rechte.

Die EU-Fahrgastrechte im Busverkehr gelten für Strecken ab 250 Kilometern Distanz und dann, wenn Ankunfts- oder Abfahrtsort innerhalb der EU, Island, Liechtenstein oder Norwegen liegen. Diese Rechte gelten auch während der Corona-Pandemie.

Marktführer Flixbus teilt auf Anfrage mit, dass sich durch Corona auch an den Umbuchungs- und Stornierungsbedingungen nichts geändert habe. Das Fernbus-Unternehmen Blablabus hat seine Fahrten in Deutschland voraussichtlich bis zum Frühjahr eingestellt.

Wie die Fahrgastrechte genau aussehen und wo sie zu finden sind, müssen die Busunternehmen den Passagieren spätestens bei der Abfahrt mitteilen, erklärt die Rechtsberatung des ADAC.

Wo kann ich mich bei Problemen
beschweren?
Wenn sich zum Beispiel die Abfahrt stark verspätet hat oder nach der Ankunft das Gepäck beschädigt ist, sollte man so schnell wie möglich handeln. "Zunächst den Busfahrer ansprechen oder das Unternehmen direkt kontaktieren", rät Johannes Parwulski, Jurist beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ) in Kehl. Außerdem sollten der Busfahrer oder das Terminalpersonal die Mängel schriftlich bestätigen. Der ADAC rät, die Mängel auf Fotos festzuhalten und die Kontaktdaten anderer Fahrgäste als Zeugen zu notieren. Die Ansprüche müssen schließlich innerhalb von drei Monaten nach der Fahrt gegenüber dem Busunternehmen geltend gemacht werden.

"Zur besseren Nachweisbarkeit die Fahrscheine und Quittungen aufbewahren und schriftlich beim Unternehmen beschweren", sagt auch Tamás Ignácz, Fachanwalt für Verkehrsrecht. Sollte dieser Versuch erfolglos geblieben sein, können sich Reisende an das Eisenbahn-Bundesamt wenden – das ist die zuständige Durchsetzungsstelle in Deutschland.

Was tun bei Verspätung oder
Ausfall der Fahrt?
Die Fahrgastrechte gelten nur eingeschränkt, wenn sich der Bus wegen eines Staus verspätet oder die Fahrt ausfällt aufgrund eines Unwetters oder anderer Gründe, für die das Busunternehmen nichts kann. Das ist ähnlich wie bei den Fluggastrechten: Bestimmte Störungen liegen außerhalb des Einflussbereiches der Unternehmen.

Liegen solche Gründe nicht vor, zählt die Verzögerung bei der Abfahrt: Das Busunternehmen muss spätestens 30 Minuten nach der planmäßigen Abfahrtzeit über die Verzögerung informieren. Bei mehr als 90 Minuten Verspätung haben Reisende Anspruch auf einen Imbiss und Getränke. Bei mehr als 120 Minuten Verspätung oder einer Annullierung der Fahrt kann das Unternehmen die kostenlose Rückbeförderung zum Abfahrtsort, eine alternative Beförderung zum Zielort und eine Erstattung des Fahrpreises anbieten. Tut es das nicht, besteht für den Passagier zusätzlich der Anspruch auf Entschädigung in Höhe von 50 Prozent des Fahrpreises.

Was gilt, wenn ich außerplanmäßig irgendwo übernachten muss?
Auch das ist möglich: Der Bus hat eine Panne, die Fahrt endet abrupt, ein Ersatzfahrzeug ist nicht so schnell zu beschaffen. In diesem Fall kann die Übernachtung in einem Hotel nötig werden. Die Kosten für das Hotel und den Transfer dorthin muss dann das Busunternehmen übernehmen – sie sind auf 80 Euro pro Person und pro Nacht begrenzt. Die Unterbringung ist auf höchstens zwei Nächte beschränkt. Dann sollte die Reise meist weitergehen. Wer sich in so einem Fall selbst um eine Übernachtungsmöglichkeit kümmert, sollte die Belege aufbewahren. "Eine Kopie sollte dann beim Busunternehmen eingereicht werden", rät der ADAC.

Was steht mir zu, wenn das Gepäck gestohlen oder beschädigt wurde?
Das Gepäck ist bei Busreisen meistens im Frachtraum untergebracht. Dort könne es leicht geklaut werden, denn nicht jedes Unternehmen kontrolliere, welcher Koffer zu wem gehört, sagt Johannes Parwulski vom EVZ. Wertsachen daher besser im Handgepäck verstauen und den Koffer beispielsweise mit Namensschild und Aufklebern kennzeichnen. Grundsätzlich steht Reisenden bei Verlust eine Entschädigung zu. Wer vor Fahrtantritt ein Foto vom Kofferinhalt macht, ist auf der sicheren Seite. "Dann hat man bei Gepäckverlust bessere Chancen auf eine entsprechend hohe Entschädigungszahlung", sagt Ignácz. Denn Reisende müssen den Wert des verlorenen Gepäcks selbst nachweisen. Wichtig zu wissen: Die maximale Entschädigungssumme liegt bei rund 1200 Euro pro Gepäckstück.

Was passiert bei einem
Verkehrsunfall?
Wenn der Bus unterwegs einen Unfall hat, muss das Busunternehmen den Fahrgästen Erste Hilfe und Unterstützung leisten. Das betrifft Verpflegung, Kleidung und die weitere Beförderung. Zudem besteht ein Anspruch auf Entschädigung. Die genaue Höhe hängt von der Gesetzgebung des jeweiligen Landes ab, der jeweils gültige Höchstbetrag sollte aber nicht unter 220 000 Euro pro Fahrgast liegen.Jule Zentek (dpa)

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