Ein Wechselbad der Gefühle

Benjamin Resetz

Von Benjamin Resetz

Fr, 11. Mai 2018

Rollkunstlauf

Top-Leistungen beim Internationalen Deutschlandpokal der Rollkunstläufer in Freiburg / Kür-Entscheidungen am Samstag.

ROLLKUNSTLAUF. Ein versöhnliches Ende trotz widriger Umstände für den Sportler des Jahres, eine umstrittene Wertung und ein sensationeller Triumph: Für die Rollkunstlaufabteilung der Freiburger Turnerschaft von 1844 ist beim Internationalen Deutschlandpokal vor heimischer Kulisse alles dabei. Die mit Spitzenathleten aus aller Welt besetzten Wettbewerbe dauern noch bis zum Samstag.

Es rollt wieder in der Schauenberghalle, in der schon so mancher Lokalmatador zum Weltklasse-Läufer reifte – zumindest in der Freiburger Paradedisziplin, der Pflicht. Beim Internationalen Deutschlandpokal wollten die FT-Athleten wieder einmal beweisen, dass sie zur Weltspitze gehören. Das gelang nicht in jedem Fall – insgesamt fuhren die Lokalmatadoren jedoch gute Ergebnisse ein, trotz nicht immer optimaler Umstände.

Rund 250 Läuferinnen und Läufer aus 22 Nationen waren anlässlich des jährlichen Kräftemessens in den Breisgau gereist. Die Nationalmannschaften waren in Top-Besetzung am Start – auch das Team Deutschland, mit zahlreichen Läufern der Freiburger Turnerschaft. Diese erlebten im bisherigen Verlauf ein Wechselbad der Gefühle. So wie Tim Jendricke, WM-Medaillengewinner und amtierender Freiburger Sportler des Jahres. Es lief nicht ganz rund für den FT-Läufer. Schon die Vorzeichen für den Wettkampf waren suboptimal. Bis am Vortag plagte er sich mit einem hartnäckigen Infekt. "Mit Training war es da nicht so weit hin", gestand er. Auf den Rollen schien es zunächst nicht besser zu werden. "Nach dem ersten Bogen dachte ich, oje", so der erfahrene Läufer. "Ich habe mich dann aber zusammengerissen. Figur zwei und drei waren dann zufriedenstellend." Am Ende reichte es sogar für den zweiten Rang hinter dem Argentinier Luis de Mattia, der mit großem Punktabstand siegte. Dabei verwehrten die Juroren Jendricke vor der zweiten Figur, die der FT-Mann als Erster laufen musste, ein erneutes kurzes Warm-Up – eigentlich üblich für die ersten vier Läufer. Stattdessen wurde er sofort nach dem Gruppen-Warm-Up zum Lauf gebeten. Trainer Michael Obrecht tobte: "Ich weiß nicht, wer da geschlafen hat. Das war ein Wettbewerbsnachteil."

Die Leistung seines Schützlings lobte Obrecht hingegen ausdrücklich. "Unter diesen Umständen hat er das gut gemacht", so der Coach. Jendricke selbst meinte: "Lieber habe ich jetzt einen kleinen Durchhänger als bei der Weltmeisterschaft. Da muss eine Medaille her." In der Seniorenklasse der Frauen landete die FT-Läuferin Melanie Wechtenbruch auf Rang sieben.

Für die 17-jährige FT-Läuferin Alina de Silva lief hingegen wirklich alles rund. Die Freiburgerin ging zum ersten Mal in der Altersklasse der Juniorinnen an den Start – und lief sofort zum Titel. Mit deutlichem Vorsprung ließ de Silva am Dienstagnachmittag keinen Zweifel daran, dass auch in der neuen Altersklasse mit ihr zu rechnen ist. "Der Sieg heute bedeutet mir alles", so die Läuferin. "Der Sport ist so ein großer Teil meines Lebens." Ohne große Erwartungen sei sie in den Wettkampf gegangen. "Eine neue Altersklasse: Da dachte ich, schaust du mal, wie weit du kommst." Ohne Druck, dafür mit viel Euphorie ging sie die Aufgabe an und belohnte sich überraschend mit Gold. "Einen kleinen Patzer hatte ich drin", gestand de Silva rückblickend. "Aber ich habe mir keinen Kopf gemacht und bin fokussiert geblieben." Das honorierte auch der Trainer. "Sie hatte ein schwieriges Jahr, hat Abitur gemacht. Wie sie dennoch Leistung zeigt, ist beeindruckend." Ebenfalls bei den Juniorinnen an den Start ging de Silvas hoch gehandelte Teamkollegin Annalena Schmid, die jedoch nicht über Rang sechs hinaus kam und damit sichtlich unzufrieden war. Eine Einschätzung, die Trainer Obrecht teilt: "Annalena wurde in der Wertung völlig verladen", ärgerte sich der Trainer. "Ich verstehe ein wenig vom Pflichtlauf und es ist mir unverständlich, wie man einen solchen Lauf so schlecht bewerten kann." Besser lief es da für Schmids jüngere Schwester Julia, die in der Cadetten-Altersklasse mit zehn Punkten Vorsprung auf die Zweitplatzierte Caterina Castelli triumphierte. Alina de Silvas jüngere Schwester Tamina wurde Sechste.

Die Internationalen Deutschen Meisterschaften dauern noch bis Samstag. Dann steigen die Kür-Läufe in den höchsten Alters- und Leistungsklassen. Abseits der Pflicht spielen die Freiburger Athleten lediglich eine untergeordnete Rolle, Rollschuh-Ästheten kommen bei den spektakulären Vorführungen jedoch voll auf ihre Kosten.

Informationen und Programm auf http://www.ft1844-freiburg.de