Rückt der Abbruch der dritten Liga näher?

dpa

Von dpa

Fr, 08. Mai 2020

SC Freiburg

Am 25. Mai hält der DFB einen außerordentlichen Bundestag ab / Derzeit steigt die Wahrscheinlichkeit, das dort über einen Saisonabbruch abgestimmt werden muss.

LEIPZIG (dpa). Die Ansage der Politik war unmissverständlich. Soll auch die dritte Liga ihre Saison mit Geisterspielen fortsetzen dürfen, müsse der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dafür tragfähige Konzepte entwickeln. Während DFB-Präsident Fritz Keller hofft, dass die Öffnung der Bundesligen auch für die Profiligen des Verbandes gelte, untersagten zwei Bundesländer Wettkämpfe bis Ende Mai. Ob es in der dritten Liga weitergeht, ist damit fraglicher geworden.

HYGIENEKONZEPT

Da der DFB das Hygienekonzept der DFL mitentwickelt und übernommen hat, gelten für Drittligisten die weitgehend gleichen Anforderungen wie für die Bundesliga-Clubs. Da die Mannschaftsärzte in der Regel ehrenamtlich sind, müsste ein Hygienebeauftragter eingestellt werden. Ein eigener Koch oder mehrere Mannschaftsbusse dürften ebenfalls nur wenigen Clubs zur Verfügung stehen. Zudem müssten bei einigen Vereinen Container aufgebaut werden, weil in Kabinen und Duschen nicht der nötige Abstand eingehalten werden kann.

INSOLVENZGEFAHR

Keine Zuschauereinnahmen, dafür hohe Kosten durch das Hygienekonzept und den Spielbetrieb. Da reicht die angedachte Finanzhilfe von 300 000 Euro pro Club nicht, die der DFB verteilen will. "Würde der Zwang bestehen, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, würden Kosten von einer Million Euro entstehen, womit die Insolvenzgefahr gegeben wäre", sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff nach Beratungen mit den Bossen des Halleschen FC und des 1. FC Magdeburg.

MACHT DER POLITIK

Hatte der DFB erst mit internem Zoff unter den Clubs zu kämpfen, so ist der neue Gegner nun die Riege der Ministerpräsidenten. So stellte Haseloff klar, dass er den Satz mit dem tragfähigen Zukunftskonzept durchgesetzt habe. Bei dieser Forderung gehe es laut Haseloff nicht um die laufende Saison, sondern um die wirtschaftliche Absicherung der Clubs ab der Spielzeit 2020/21. Anders als bei den Bundesligen liegt die Entscheidung in der dritten Liga bei den Ländern und örtlichen Gesundheitsämtern. "Es ist für uns deshalb klar, dass eine Wiederaufnahme des Spielbetriebes (...) aufgrund der in den Bundesländern der Drittligisten stark unterschiedlichen Verfügungslagen nicht möglich zu sein scheint", teilte Waldhof Mannheim mit und forderte den DFB auf, beim Bundestag am 25. Mai einen Antrag auf Saisonabbruch einzubringen.

RAHMENBEDINGUNGEN

An eine Fortsetzung der Saison vor Mitte Juni ist nicht zu denken. In den Ländern Thüringen (bis 25. Mai) und Sachsen-Anhalt (bis 27. Mai) ist bis zum Ende des Monats der Wettkampfbetrieb untersagt. Dies wirkt sich auch auf das Training aus. So darf zum Beispiel der MSV Duisburg in Siebener-Gruppen trainieren, aber ohne Körperkontakt. Einige Clubs scheuen die Aufnahme von Kleingruppen-Training, da sie dafür die Spieler aus der Kurzarbeit holen müssten.

Streit-POTENZIAL

Die Ungleichbehandlung der Vereine durch die Politik sorgte mancherorts für Unverständnis – und Verschwörungstheorien. "Der Klassenerhalt soll politisch gesichert werden", sagte Hansa Rostocks Vorstandschef Robert Marien dem NDR. Das Hygienekonzept bezeichnete er als herausfordernd, aber umsetzbar. DFB-Vizepräsident Rainer Koch entgegnete den Abbruch-Befürwortern: "Wir haben die Situation, dass vor Ende August nicht mit Zuschauern gespielt werden kann. Das bedeutet, dass wir nicht bis September oder Oktober warten können, bis die neue Saison beginnt. Wer jetzt die Saison abbricht, muss zugleich fordern, dass wir im September oder Oktober wieder spielen können. Das ist doch ein Ding der Unmöglichkeit." Um die Saison aber bis zum 30. Juni zu Ende zu bringen, müsste der Neustart am 23. Mai erfolgen. Für Jena und Magdeburg, die beide ein Heimspiel hätten, ebenfalls unmöglich.