SC Freiburg

SC Freiburg erkämpft beim Bundesliga-Neustart einen Punkt in Leipzig

dpa, bz

Von dpa & BZ-Redaktion

Sa, 16. Mai 2020 um 17:30 Uhr

SC Freiburg

Gegen RB Leipzig spielt der SC Freiburg beim ersten Spiel nach über zwei Monaten 1:1-Unentschieden. Die Mannschaft überzeugt nicht immer spielerisch, dafür aber mit viel Kampfgeist.

In der am Samstag nahezu leeren Red Bull Arena hätte einiges anders kommen können – wenn nicht der Videobeweis ein Wörtchen mitgeredet hätte. Manuel Gulde (32.) sorgte für die Freiburger Führung. Yussuf Poulsen (77.) gelang für die drückend überlegenen Leipziger (20:6-Torschüsse) noch der Ausgleich, ehe in der Nachspielzeit Robin Koch eigentlich für den Freiburger Siegtreffer sorgte. Doch weil zuvor Lucas Höler wenige Millimeter im Abseits gestanden hatte, wurde der Treffer annulliert – der erste Freiburger Bundesligasieg in Leipzig lässt also weiter auf sich warten.

Ruhiges Stadionumfeld

Im Umfeld des Stadions blieb es bis zum Schlusspfiff ähnlich ruhig wie in der Arena, in der vieles anders war als gewöhnlich. Eine Flugzeug-Gangway im Innenraum sorgte dafür, dass die gut drei Meter Höhenunterschied zu den Zuschauerrängen überwunden werden konnten, falls zusätzlicher Platz benötigt wird. Aufgrund des Abstands war auf den Ersatzbänken weniger Platz für Spieler als sonst. RB baute für beide Clubs kleine Tribünen auf, auf denen die Ersatzspieler auf Stühlen saßen und über die Bande hinweg das Spiel verfolgen konnten.

Dort sahen sie zunächst zwei Teams, die immens viel Laufarbeit verrichteten und sich gegenseitig neutralisierten. Leipzig war trotzdem den Tick besser und kam zu einigen Abschlussmöglichkeiten – allerdings nur aus der Ferne. Konrad Laimer (2.) verfehlte mit seinem Schuss das Tor, den Versuch von Christopher Nkunku (8.) hielt SC-Keeper Alexander Schwolow.

Schwolow hält zunächst die Null

Laimer (14.) war dann wiederum nach einem Konter nicht konsequent genug, nachdem Schwolow einen Schuss von Timo Werner nicht festhalten konnte. Dass bei Leipzig in Marcel Sabitzer und Patrik Schick zwei angeschlagene Leistungsträger zunächst auf der Bank saßen, merkte man dem Spiel nicht an. Kevin Kampl führte in seinem ersten Einsatz nach sechs Monaten Verletzungspause klug Regie, setzte die Stürmer und hoch stehenden Außenverteidiger klug ein.

"Schwolli hat heute sehr gut gehalten." Manuel Gulde
Freiburg kam offensiv kaum zum Zuge. Wenn überhaupt, dann ging etwas über die Außenspieler - und über Standards. So rutschte eine Ecke von Vincenzo Grifo irgendwie durch und Gulde lenkte den Ball per Hacke ins lange Eck. RB-Torwart Peter Gulacsi hatte keine Chance, Freiburg war sehr überraschend vorn. "Leipzig hat starken Druck gemacht – da haben wir Glück gehabt, dass wir nicht zwei oder drei Tore kriegen", sagte Manuel Gulde nach dem Spiel beim TV-Sender "Sky". "Die erste Halbzeit war gut von uns, da hatte Leipzig nicht viel gehabt", konstatierte Gulde, der aber auch kritisch anmerkte: "In der zweiten Halbzeit gabs nicht viel von uns." Ein besonderes Lob sprach er für seinen Keeper Alexander Schwolow aus: "Schwolli hat heute sehr gut gehalten."

Leipzig verpasst den Ausgleich

RB-Trainer Julian Nagelsmann reagierte und wollte mit der Einwechslung von Ademola Lookman die Offensive der rechten Seite stärken. Ein fast goldener Wechsel. Nach Flanke von Kampl musste der Brite (56.) den eigentlich nur noch über die Linie drücken - schoss aber aus Nahdistanz vorbei. Eine Minute später schlenzte Nkunku aus 20 Metern, Schwolow parierte gerade noch. Der Ausgleich wäre mittlerweile verdient gewesen.

Doch RB verlor sich zu oft im eigenen Passspiel, war in den entscheidenden Momenten zu unentschlossen oder wählte die falsche Option. Nagelsmann reagierte erneut, brachte Sabitzer und stellte auf Viererkette um. RB bekam schnell die nächste Großchance, aber Poulsen (74.) verzog völlig frei aus elf Metern. Drei Minuten später machte es der Däne besser, traf per Kopfball nach einer Kampl-Flanke. Einen letzten Schreckmoment für RB gab es in der Nachspielzeit. Das mögliche 2:1 durch Robin Koch für Freiburg zählte aber nach Videobeweis wegen einer Abseitsposition nicht.

"Es war ungewohnt und wird sicherlich eine Zeit lang ungewohnt bleiben – aber es geht nicht anders." Robin Koch
"Wenn man Ende ein Tor schießt, das Abseits ist, nimmt man das eigentlich gerne mit", sagte der vermeintliche Torschütze Robin Koch nach dem Spiel bei "Sky". Zu der grundsätzlichen Situation der Geisterspiele merkte Nationalspieler Koch folgendes an: "Es war ungewohnt. Wir wussten vorher, dass wir uns reinbeißen müssen. Ich hab’ schon vorher gesagt, dass es gar nicht so einfach wird. Man muss sich selbst motivieren, wenn man in ein leeres Stadion kommt." Koch hob positiv hervor: "Wir haben es ganz gut hinbekommen, die Spannung hochzubekommen. Es war ungewohnt und wird sicherlich eine Zeit lang ungewohnt bleiben – aber es geht nicht anders."

Auf seine Zukunftsplanung angesprochen sagte Koch: "Der Fokus liegt auf den letzten Spielen. Ich denke, dass jeder sich freut, auf dem Platz zu stehen und wieder kicken zu können – von daher freue auch ich mich auf die letzten Wochen in der Saison. Ich denke, es ist momentan generell eine schwierige Zeit, es ist schwierig, Dinge vorauszusagen."

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