Wenn Fische durch die Kirche schwimmen

Reinhard Cremer

Von Reinhard Cremer

Di, 21. Mai 2019

Schallbach

Ausstellung von Gaby Roter und Cerstin Thiemann im Rahmen der Schallbacher Kulturtage.

SCHALLBACH (cre). Nicht ohne Worte, wie der Titel "wort los" der Ausstellung vermuten ließ, sondern eher wortreich starteten am Freitagabend die vierten Schallbacher Kulturtage mit einer Vernissage. Mit Gaby Roter und Cerstin Thiemann hatten die Organisatoren zwei über die Region hinaus bekannte Künstlerinnen für eine Ausstellung in der Peter und Paul Kirche gewinnen können. Begleitet wurde die Veranstaltung wortreich vom Lyriker, Musiker und Hörspielautor Gerrit Walter. Pfarrer Jens Daniel Mauer oblag als Hausherr die Begrüßung der sehr zahlreich erschienenen Besucher.

Eigens für die Schallbacher Kirche hatten die Künstlerinnen ihr Thema entwickelt. Der Fisch als christliches Symbol bot sich, so das Ergebnis einer Begehung des Veranstaltungsortes mit Thomas Th. Willmann, dem Kopf des Organisationsteams, als Leitbild an. Da der Fisch, ebenso wortlos ist wie die Verständigung der beiden Künstlerinnen untereinander funktioniert, war der treffende Ausstellungstitel bald gefunden.

Roter und Thiemann nähern sich dem Thema Fisch aus unterschiedlichen Richtungen. Gaby Roter lebt und arbeitet in Steinen. Ihr künstlerischer Schwerpunkt liegt in kreativen Gesamtkonzepten für Räume und Gebäude. In ihren Werken beschäftigt sie sich vor allem mit der Fragestellung nach Übergängen und Veränderungen. Sie verwendete Holzbohlen, die sie mit verschiedenen Farben und Techniken bearbeitete. So verätzte sie aufgetragene Goldfarbe, die daraufhin ins Türkise changierte oder bearbeitete Bitumenflächen mit einem Bunsenbrenner, woraufhin das unansehnliche Schwarz eine glänzende Oberfläche erhielt. Eindrucksvoll die großformatige Darstellung eines auf den Betrachter zuschwimmenden Fisches in der fünfteiligen Arbeit mit dem Titel "no difference". Auch hier deutlich im Siebdruckverfahren herausgearbeitet die implizierten, unterschiedlichen Kreuzsymbole und Ornamente. Kleinere im Kirchenraum gehängte Arbeiten von ihr kontrastierten wirkungsvoll das Weiß der Wände.

Die von Cerstin Thiemann geschaffenen Fischkörper bewegen sich teils schwarz, teils schwarz-weiß wie kleine Orcas in Schwärmen durch den Altarraum scheinbar auf das an der Wand hängende Kreuz zu. Und doch verharren sie reglos auf ihrem einmal von der Künstlerin zugewiesenen Platz, befestigt auf langen Metallstangen. So geeignet als blickfangendes Objekt auch außerhalb des Kirchenraumes in Haus und Garten. In zwei Bränden erhalten die Fische ihr Aussehen. Auch hier spielt wieder ein feiner Bitumenauftrag eine wichtige Rolle.

Geboren auf Sylt lebt Cerstin Thiemanns heute in Lörrach. Vor einigen Jahren entdeckte die Malerin ihre Begeisterung für Ton. Ihre früheren künstlerischen Stationen lauten Boisbuchet in Südfrankreich, Istanbul, Abu-Dhabi, Taipeh, aber auch die Schweiz und Deutschland. Für das Vitra-Design-Museum organisierte sie national und international Workshops.

Inmitten der ausgestellten wortlosen, aber nicht schweigenden Werke übernahm Gerrit Walter den Part des Vortragenden. Seit fast 20 Jahren kennen sich die beiden Künstlerinnen und Walter und hatten auch schon die eine oder andere gemeinsame Veranstaltung. Der zur Vernissage vorgetragene lyrische Text existierte bereits. Neu hingegen war die speziell für die Ausstellung geschriebene, auf der E-Gitarre vorgetragene Komposition. Das Auditorium spendete begeistert Beifall, wobei der Applaus ebenso auch Gaby Roter und Cerstin Thiemann galt.

Zu Beginn der Vernissage und im Anschluss bewirteten das Organisationsteam, unterstützt von freiwilligen Helfern, die Anwesenden mit Wein und Gugelhupf. Da während der gesamten, bis zum 2. Juni dauernden Kulturtage kein Eintritt zu entrichten ist, waren und sind Spenden gern gesehen.

Die Ausstellung kann mittwochs, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung (Tel. 07621-46618) besucht werden. Die ausgestellten Objekte können käuflich erworben werden. Eine Preisliste liegt aus.