"Bei Hopp geht es für mich geradeaus"

Do, 30. April 2015

Schülertexte

ZISCHUP-INTERVIEW mit Vivian Hösch, die trotz ihrer Blindheit auf Skiern unterwegs ist.

Vivian Hösch ist Biathletin und blind. Sarah Köbele und Lara Hösch, beide aus der Klasse Sprach 8 der Freien Christlichen Schule in Freiburg, wollten von der 23-Jährigen wissen, wie sie sich auf der Loipe orientiert. Lara und Vivian Hösch sind Cousinen.


Zischup: Sind Sie schon von Geburt an blind?
Hösch: Ich bin von Geburt an sehbehindert, hatte aber, als ich klein war, eine Sehstärke von drei Prozent und konnte somit Umrisse und ein paar Farben sehen, aber noch nie alles. Und mit neun Jahren bin ich vollständig erblindet.
Zischup: Glauben Sie, Sie wären Biathletin geworden, wenn Sie nicht erblindet wären?
Hösch: Das ist eine gute Frage. Ich denke, ich würde auf jeden Fall Sport machen. Welche Sportart weiß ich nicht genau, aber ich glaube, es hätte auf jeden Fall etwas mit Schnee zu tun. Auch wenn ich sehen könnte. Aber wenn ich durch Zufall auf etwas anderes gestoßen wäre, hätte es auch gut ein ganz anderer Sport sein können.
Zischup: Mit wie vielen Jahren haben Sie angefangen, Ski zu fahren?
Hösch: Mit Langlauf habe ich als 15-Jährige angefangen. Ich fahre aber immer noch hobbymäßig Alpin, und das habe ich gelernt, als ich gerade laufen konnte.
Zischup: Sind Sie beruflich nur Biathletin? Oder haben Sie noch einen anderen Job?
Hösch: Ich arbeite noch bei der Stadtverwaltung Freiburg, und zwar arbeite ich an einer Hotline für Computersupport, wo Mitarbeiter der Stadtverwaltung anrufen, wenn sie ein Computerproblem haben, und wir helfen ihnen dann, die Probleme zu lösen oder leiten sie an bestimmte Kollegen weiter. Ich habe dort eine Halbtagesstelle.
Zischup: Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Hösch: Normalerweise bin ich unter der Woche am Arbeiten und am Trainieren. Und wenn ich mal kein Training oder Feierabend habe, treffe ich mich mit Freunden oder unternehme irgendetwas.
Zischup: Wie oft trainieren Sie in der Woche?
Hösch: Ich trainiere täglich und habe insgesamt neun Trainingseinheiten.
Zischup: Wie funktioniert das mit dem Langlaufen?
Hösch: Auf der Loipe habe ich einen Begleitläufer, der läuft voraus und ist permanent am Rufen, damit ich der Stimme folgen kann. Dabei gibt es verschiedene Kommandos. Das Grundkommando ist hopp, da weiß ich dann, für mich geht es geradeaus. Und mit Hilfe der Uhrzeit wird die Richtung angegeben, also zum Beispiel rechts auf eins, zwei oder drei Uhr – je nach Schärfe der Kurve.
Zischup: Wie viele Wettkämpfe haben Sie schon gewonnen.
Hösch: Also gewonnen habe ich bis jetzt ein internationales Rennen beim Weltcup und national die drei Wettkämpfe bei den Deutschen Meisterschaften.
Zischup: Wann und wo war Ihr letzter Wettkampf?
Hösch: Mein letzter Wettkampf war im März in Norwegen. Dort waren für mich die letzten Rennen der Saison.