Klimaschutz

Sich aufs Beten verlassen – ist das nicht weltfremd?

Julia Kleinstück, Kenzingen

Von Julia Kleinstück & Kenzingen

Fr, 13. März 2020

Leserbriefe

Zu: "Besser zu Gott beten, als zu demonstrieren", Zuschrift von Ernesta Rawe (Forum, 14. Februar)
Als ich besagten Leserbrief las, war ich zugegebenermaßen baff und wusste nicht, wie ich darauf reagieren könnte. Bis meine Lehrerin meinte, ich könne ja einen Leserbrief schreiben.

In der Zuschrift von Frau Rawe war ein großer Vorwurf an die Demonstranten das Schulschwänzen. Also: Ja, ich "schwänze" regelmäßig die Schule und demonstriere für mehr Klimaschutz. Aber ich denke, dass meine unentschuldigten Fehltage eigentlich niemanden etwas angehen, im Gegensatz zum allgegenwärtigen Klimawandel.

Ich weiß, es ist schwer, sich vorzustellen, dass Kinder und Jugendliche am Freitag demonstrieren gehen und dafür am Samstag den Stoff nachholen und lernen. Den Stoff, den wir tatsächlich brauchen, um hoffentlich später, wenn wir es dürfen, richtig zu handeln. Zumindest in meinem Fall ist es so.

Ich bin erst 13 Jahre alt und habe dementsprechend so gut wie keine Möglichkeiten, meine politischen Ansichten zu äußern, sollte ich nicht demonstrieren. Dieses Grundrecht nehme ich wahr. Ich schreibe diesen Artikel übrigens an einem Samstagvormittag in meiner Freizeit.

In dem Leserbrief stand außerdem, wir sollten lieber beten, statt demonstrieren zu gehen. Es würde uns allen mehr helfen. Also wird uns tatsächlich von einem Erwachsenen empfohlen, im Angesicht einer Katastrophe, zu einem Gott zu beten, dessen Existenz nicht bewiesen ist – im Gegensatz zum Klimawandel? Natürlich kann man das versuchen. Sich aber einzig und allein darauf zu verlassen und sonst nichts zu tun, ist das nicht weltfremd, fahrlässig und gefährlich?

Und sagt eben dieser Gott nicht auch: "Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu" (Johannes 7,3)? Ich werde weiter die Schule schwänzen. Solange, wie es nötig ist. Solange bis Sie und andere verstehen, dass wir aus Notwehr handeln und der Klimawandel menschengemacht ist und Gott uns bei diesem Problem nicht helfen wird. Oder anders: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!

Julia Kleinstück, Kenzingen,Schülerin an den GHSE Emmendingen SG 8a