Sie brachte die Ruhe nach dem Sturm

Nicolai Kapitz

Von Nicolai Kapitz

Fr, 26. Juli 2019

Schopfheim

Eva Skrypnik, Schulleiterin der Max-Metzger-Grundschule, wurde am Mittwoch in den Vorruhestand verabschiedet.

SCHOPFHEIM. Es fällt schwer zu glauben, dass Eva Skrypnik nur fünf Jahre Schulleiterin der Max-Metzger-Schule war. Hat sie Schopfheims größte Grundschule als Chefin doch so maßgeblich geprägt, dass die Metzger-Schule inzwischen als Ganztagesschule glasklar ihre Handschrift trägt – und obendrein alle früheren internen Querelen und Unruhen längst überwunden hat. Am Mittwochabend wurde Eva Skrypnik in der Schulmensa in den Vorruhestand verabschiedet und von allen Rednern mit Lob überhäuft.

"Es geht", erzählte eine zwar gerührte, aber dennoch zu Scherzen aufgelegte Eva Skrypnik am Ende ihrer langen Dankesrede, "das Gerücht um, ich wüsste nicht einmal, wie man einen Staubsauger bedient." Am lautesten lachte über diesen Witz wohl Ehemann Günther, war doch er es, der beim hohen Arbeitspensum seiner Frau besagtes Haushaltsgerät zuhause schwingen durfte. Die Arbeit an der Grundschule mit ihren 290 Schülern hat sie ausgelastet, gewissermaßen – das wurde in vielen Wortbeiträgen deutlich – sogar erfüllt. "Das war nicht nur ein Beruf, es war eine Berufung", sagte zum Beispiel Jürgen Sänger, im Rathaus für Schulen und Bildung zuständig. "Es war eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe. Mit Ihrer ruhigen Art haben Sie die Schule zu einer Einheit geformt." Und das nimmt eben Zeit in Anspruch.

Zeit, die Eva Skrypnik nur zu gerne "ihrer" Schule widmete. So war sie hier nicht nur zwischen 2014 und 2019 Schulleiterin, sondern auch zwischen 1988 und 1993 Lehrerin, sie blieb der Max-Metzger-Schule auch während ihrer 20 Jahre am Lehrerbildungsseminar in Freiburg verbunden, erzählte Regina Höfler vom Schulamt. Übernommen hatte Eva Skrypnik die Schulleitung nach einer Zeit der Vakanz, "in unruhigen Gewässern", wie es Jürgen Sänger ausdrückte. Und – neben dem Überbrücken entstandener Gräben – mit einer Mammutaufgabe vor sich: Den Umbau zur verlässlichen Ganztagesschule mit inklusivem Charakter – ein Herzenswunsch von Eva Skrypnik, deren Sohn Jonathan (übrigens als Bassist Teil der Band "Sound of Spirit", die die Feier umrahmte) im Rollstuhl sitzt. "All das haben Sie ohne Probleme geschafft", attestierten Jürgen Sänger und Regina Höfler. "Die Ruhe nach dem Sturm kam tatsächlich", sagte ihre Stellvertreterin Ira Schneider. Dass die scheidende Schulleiterin in dieser Zeit auch ein Kollegium geformt hat, das diesen Namen verdient, zeigte sich in den Darbietungen desselben: Mit einem strophenreichen Lied und vielen Attributen würdigten die überwiegend weiblichen Lehrkräfte ihre Chefin: Verantwortungsvoll, hilfsbereit, pragmatisch, verständnisvoll, kreativ und lösungsorientiert sei sie zum Beispiel gewesen.

Und überhaupt war es eine sehr musikalische Abschiedsfeier: Schüler sangen Abschiedslieder, und aus den Schopfheimer Schulleiter-Kolleginnen und Kollegen hatte sich ein kleiner Spontan-Chor geformt, der Eva Skrypnik mit einigen Versen den Gang in den Ruhestand versüßte. Dass sie in diesem (Un-)Ruhestand mindestens genauso umtriebig bleiben wird wie im Beruf, daran ließ nicht einer der Redner einen Zweifel. "Dass ich im Ruhestand bin heißt nicht, dass ich jetzt den Staubsauger bediene", sagte die 59-Jährige zum Abschied.