Schulweg

Siebtklässler sollen als Buscoaches in Schönau Konflikte schlichten

Dirk Sattelberger

Von Dirk Sattelberger

Do, 13. Februar 2020 um 13:03 Uhr

Schönau

Der Bus kommt, Schulkinder drängeln – das kann gefährlich werden. In Schönau sollen nun speziell ausgebildete Siebtklässler Unfälle an einer Haltestelle vermeiden und Konflikte schlichten.

Der Schulbus kommt, und alle wollen als erstes hinein. Wenn dann ein Gedränge entsteht, kann es an der Haltestelle gefährlich werden. Diese Situation am Buchenbrändle in Schönau wollten Schulsozialarbeiterin Sarah Zeller und Busunternehmer Tobias Deiß nicht länger hinnehmen. Sie haben mit Siebtklässlern eine Lösung gefunden: Sogenannte Buscoaches, die für Entspannung am und im Bus sorgen sollen.

Tobias Deiß, Geschäftsführer des Busunternehmens Heizmann, kennt die Situation aus der eigenen Schulzeit als Montfort-Realschüler in Zell: Nach der Schule drängen alle in den Bus, es wird gedrückt und gedrängelt, und manchmal stolpert ein Schüler. "Gerade wenn der Bus in die Haltestelle reinfährt und da stehen 20 Schüler, kann das gefährlich werden", erzählt Tobias Deiß.

125 Kinder haben gleichzeitig Schulschluss

Umso erfreuter war er, als Schulsozialarbeiterin Sarah Zeller an der Gemeinschaftsschule Oberes Wiesental auf ihn zukam mit der Idee, Buscoaches auszubilden. Das sind im Moment sieben Siebtklässler am Schulstandort Schönau, die nach einem festen Dienstplan an der Haltestelle Buchenbrand eingeplant sind: Alejandro Gromaz Textor, Laura Held, Jule Zinner, Jana Karle, Joshua Spürgin, Daniel Hasenkamp und Lars Harenberg. Ihr Auftrag lautet: Dafür sorgen, dass alle Schüler in einer Reihe auf den Bus warten statt zu drängeln und zu schupsen.

In der Schlange kommt man schneller in den Bus

Sich an eine Schlange anzustellen ist nicht nur sicherer, sondern geht auch schneller. Denn bei der Ausbildung haben die Schüler selbst erlebt, dass es viel länger dauert, wenn sich alle Kinder durch 90 Zentimeter schmale Türrahmen quetschen statt in einer Reihe geordnet hineinzusteigen. Mit ihren Signalwesten sind die Buscoaches gut erkennbar, und zwei Lehrer als Aufsichtspersonen am Buchenbrandparkplatz sollen am Ende des Nachmittagsunterrichts auch in der Nähe sein. Damit das Einsteigen "gesitteter erfolgt" (Deiß), bleibt die hintere Bustür geschlossen. Bis zu 125 Schüler der Klassen fünf, sechs und sieben haben an der Buchenbrandschule gleichzeitig Schulschluss. Sie wird zudem von Grundschülern besucht.

"Ziel der Fahrbegleiter ist es, bei Konflikten unter Gleichaltrigen schlichtend und deeskalierend einzugreifen." Sarah Zeller

"Bei den Beratungsgesprächen mit Fünftklässlern, die jede Woche stattfinden, wurden Schwierigkeiten beim Busfahren deutlich", berichtet Sarah Zeller. Die Probleme gingen demnach über das Warten an der Bushaltestelle hinaus und konnten sich im Bus während der Fahrt fortsetzen. So komme es manchmal im Schulbus zu Streit, wenn sich ein Kind auf einen "reservierten Platz" setzen möchte oder sich eine Gruppe mit einer anderen um begehrte Viererplätze streitet. Auch dann sollen die sieben neuen Buscoaches zur Stelle sein. Einige fahren bis hoch nach Brandenberg und Todtnauberg oder hinab nach Zell und sind auch am nächsten Morgen anzutreffen, wenn der nächste Schultag beginnt.

Rollenspiele bereiten auf Deeskalation vor

"Ziel der Fahrbegleiter ist es, bei Konflikten unter Gleichaltrigen schlichtend und deeskalierend einzugreifen sowie die Zahl der Beschädigungen an und im Bus zu verhindern", sagt Sarah Zeller, die im Auftrag der Caritas an der Gemeinschaftsschule arbeitet. In Rollenspielen haben die Schüler verschiedene Szenarien beim Ein- und Ausstieg geübt. Begleitet wurden sie dabei auch von der Standortleitung der Gemeinschaftsschule, Uschi Renz, sowie Jugendsachbearbeiter Markus Becker vom Polizeiposten Schönau. Becker machte klar, in welchen Situationen die Polizei zu rufen ist und der Auftrag der Buscoaches endet. Im neuen Schuljahr sollen dann die nächsten Fahrbegleiter ausgebildet werden.

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