Solarpark an der A 98 kann kommen

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Fr, 07. Mai 2021

Eimeldingen

Bereitstellung von Ackerland wird im Gemeindeverwaltungsverband aber auch kritisch hinterfragt.

(hf). Ein Bebauungsplan soll im Gewann See-Rain an der A 98 auf Eimeldinger Gemarkung einen Solarpark ermöglichen. Da die Fläche im Regionalplan und im Flächennutzungsplan als Grünzäsur ausgewiesen ist, ist die planungsrechtliche Umwidmung nötig, die rund 1,15 Hektar große Fläche soll nun als Sondergebiet ausgewiesen werden. Der Gemeinderat Eimeldingen hatte dem zugestimmt und auch die Versammlung des Gemeindeverwaltungsverbands Vorderes Kandertal billigte dies nun. Kritiklos passierte die Änderung das Gremium aber nicht.

Die Firma MZ Solar aus Rickenbach will dort 2300 Solarmodule installieren, die pro Jahr rund 800 000 Kilowattstunden Sonnenstrom erzeugen sollen, was dem jährlichen Strombedarf von rund 250 Haushalten entspricht. Das Landwirtschaftsamt hatte bei der Offenlage auf den hohen Wert des Ackerlands hingewiesen und die Prüfung von Alternativstandorten gefordert, wie Planer Stephan Färber von der Stadtbau Lörrach berichtete. Die Prüfung jeweils zweier anderer Flächen in Binzen und Eimeldingen zeigte aber, dass am See-Rain die Eingriffe in Landschaft, Natur und Umwelt am geringsten sind. Das Gewann Peterschmied südlich der A 98, vom Amt ins Spiel gebracht, sei zwar auch gut für einen Solarpark geeignet, so Färber, grenze aber unmittelbar an einen landwirtschaftlichen Betrieb und es bleibe nach Installation der Solarmodule eine schlecht nutzbare Restfläche. Doch ist der Weg, wertvolles Ackerland zu opfern, um eine Firma Solarstrom erzeugen zu lassen, wirklich der politisch richtige? Diese Frage warf der Binzener Gemeinderat Oliver Baumert auf, der in der Änderung des Flächennutzungsplanes "kein gutes Signal" sah. Eimeldingen profitiere davon nicht, es würden weder Wohnraum noch gewerbliche Arbeitsplätze entstehen, noch werde Infrastruktur für die Bürger geschaffen.

Solarstromerzeugung sei zu befürworten, "aber nur da, wo es Sinn macht", meinte Baumert. Und das ist für ihn auf Dächern und versiegelten Flächen. Rümmingens Bürgermeisterin Daniela Meier folgte seiner Argumentation. Weil sie das Eimeldinger Vorhaben aber "nicht torpedieren" wollte, enthielten sie und Juliana Bieg sich für ihre Gemeinde der Stimme. Auch die Behörden hatten auf den Vorrang von Solaranlagen auf Dächern hingewiesen, gab Planer Färber weiter. Dachflächen befänden sich aber oft nicht in kommunaler Hand, die Gemeinde bemühe sich, auf ihren eigenen Flächen Solaranlagen zu installieren – etwa auf dem Dach der zur Sanierung anstehenden Reblandhalle.

Für eine "tolle Sache" hält Eimeldingens Bürgermeister Oliver Friebolin den Solarpark. Die Stromerzeugung entspreche 20 Prozent des Gemeindebedarfes. Die breite Hecke erhöhe die Biodiversität auf der Fläche, die nur punktuell verankerten, aufgeständerten Module machen zudem eine Beweidung möglich. Es habe sich sogar schon ein Schäfer Interesse bekundet.

Auch die Fischinger Vertreter im Verband sprachen sich ebenso wie die Wittlinger und Schallbacher für diese Form der Stromerzeugung aus. Die Energieausbeute sei im Vergleich zu einer Bepflanzung mit Energiemais 60- bis 80-mal höher, hielt der Fischinger Bernd Schopferer fest. Binzens Bürgermeister Andreas Schneucker konnte Argumente beider Seiten nachvollziehen, tendierte aber zur Solarstromerzeugung auch auf freier Fläche. Dies schließe die Förderung von Photovoltaikanlagen auf Dächern ja nicht aus, sagte er. Weil jede Gemeinde aber nur eine Stimme hat, enthielt sich Binzen letztlich angesichts der – ausnahmsweise – unterschiedlichen Meinung seiner beiden Vertreter der Stimme. Bei vier Jastimmen (Fischingen, Eimeldingen, Wittlingen, Schallbach) und zwei Enthaltungen (Binzen und Rümmingen) wurde die Planung angenommen.