Zurück zur Normalität

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 10. November 2019

FC Basel

Der Sonntag Die Fußballer des FC Basel ziehen in die nächste Runde der Europa League ein.

Nach zwei schwierigen Jahren spielt der FC Basel diese Saison wieder ganz oben mit. Am Donnerstag sicherten sich die Mannen von Trainer Marcel Koller im St. Jakob-Park den vorzeitigen Einzug in die nächste Runde der Europa League. Durch den 1:0-Erfolg über den spanischen FC Getafe sehen die Nordschweizer ihr kurzzeitiges Tief überwunden.

Die besorgniserregendste Nachricht der letzten Wochen klang mehr nach Kaltem Krieg 2.0, Spionageangriff oder Krimithriller als nach Fußball. Letztes Wochenende verkündete der FC Basel, dass durch eine Cyberattacke vorübergehend das gesamte Onlinesystem außer Gefecht gesetzt sei. Kein Ticketing, keine Homepage, keine Fanartikel. "Mehrere Tage ging nichts", klagte Sportchef Ruedi Zbinden, der vorgestern dann aber wieder gut aufgelegt war.

Kein Wunder: Dass die schlimmste Nachricht der bisherigen Saison Geschehnisse abseits des Platzes betraf, verdeutlicht, wie gut es dieser Tage beim Schweizer Abonnementmeister läuft. Nach zwei Jahren der sportlichen Flaute wähnen sich die Nordschweizer im Aufwind. Was hatten sie sich zuletzt gegrämt, als trotz starker Rückrunde auch letzte Saison YB Bern zum zweiten Mal in Serie den Meisterschaftspokal in den Himmel stemmen konnte. Mitunter wirkten die Youngboys aus der Hauptstadt meilenweit entfernt. Im direkten Duell deklassierten sie den FCB mit 7:1. Als Sportchef Marco Streller dann im Frühjahr, so die Story der Boulevardblätter, nicht seinen Wunschtrainer Patrick Rahmen verpflichten durfte, zog er die Reißleine. Präsident Bernhard Burgener setzte in den turbulenten Frühlingstagen letztlich auf einen alten Bekannten und beförderte den langjährigen Chefanalytiker Ruedi Zbinden zum neuen Sportlichen Leiter.

Wieder ein Anwärter auf die Meisterschaft

Der tat, was Scouts immer tun, wälzte Statistiken und setzte auf bewährte Strukturen. Was in seinem Zusammenhang hieß, keinen neuen Trainer zu holen, sondern weiterhin auf den erfahrenen Marcel Koller zu setzen. Der war ja selbst erst zu den Eidgenossen gestoßen, als diese sich hektisch nach dem ersten Spieltag von Vorgänger Raphael Wicky getrennt hatten. "Ich habe schon damals gesagt, dass der neue Trainer Zeit braucht. Das hat sich bewährt und zahlt sich seit der letzten Winterpause aus", betonte der 60-jährige Sportchef.

Seine Analyse ging auf. Basel spielt 2019 saisonübergreifend stark. Die Bilanz liest sich beeindruckend und erinnert ein wenig an den Glanz alter Tage, als Basel zwischen 2010 und 2017 acht Meisterschaften in Serie feiern konnte. Testspiele, Europapokal, Champions-League-Qualifikation, nationaler Pokal und nationale Meisterschaft eingerechnet, haben die Schweizer 37 Siege eingefahren, 10 Mal unentschieden gespielt und gerade einmal sieben Partien verloren.

Seit knapp vier Jahrzehnten kennt Zbinden seine Basler, schnürte einst selbst in den 1980er Jahren für sie die Schuhe, bevor er 1996 erst als Juniorentrainer und später als Chef der Scoutingabteilung anheuerte. Ein Leben in Rotblau also. Dass im St. Jakob-Park aber trotz der aktuellen Bilanz eben doch vor allem die Meisterschaft zählt, wurde ihm in den letzten Wochen schnell wieder klar. Eine 2:3-Niederlage gegen den FC Zürich, ein Unentschieden gegen den Dritten St. Gallen. Und Schwups. Schon huschte das Wort Krise durch die Katakomben des Joggeli.

Umso mehr hörte man am Donnerstag die Steine von den Herzen der angeknacksten Gemüter plumpsen, nachdem das Team um Kapitän Valentin Stocker den FC Getafe mit 2:1 auf die Heimreise geschickt hatte. "Dass wir nach vier Matches in der Europa League schon durch sind, zeugt vom Teamgeist und der Qualität, die wir dieses Jahr haben", frohlockte Silvan Widmer, der gegen die Spanier das so wichtige 2:1 eingeleitet hatte.

"Der Sieg war sehr wichtig", gestand Zbinden hinterher, der direkt auch auf die nationale Tabelle verwies: "Nur ein Punkt hinter YB: Das sieht doch positiv aus." Am meisten aber freute den Sportchef sein Kollektiv: "Wir sind ein Team geworden. Das war ja mein großes Ziel. Die Stimmung ist gut. Auch bei denen, die nicht so viel spielen."

Und so konnte Trainer Koller bei der allfreitäglichen Pressekonferenz vorgestern verkünden, dass er für das Spiel gegen den Drittletzten FC Lugano heute (16 Uhr) eventuell zwei, drei Spielern eine Pause geben wolle. Das klang denn auch nicht nach Kaltem Krieg oder Krimi. Vielmehr spricht so der Trainer eines breit aufgestellten Teams, das sich anschickt heuer voll anzugreifen. So klingt ein Meisterschaftsanwärter.