Erklärungen und Worte des Bedauerns

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Von dpa

Sa, 08. Februar 2020

Handball Allgemein

Die Spitze des Deutschen Handball-Bundes nimmt einen Tag nach dem Trainerwechsel bei der Nationalmannschaft Stellung.

HANNOVER (dpa). In seinem kurzärmeligen Shirt des Deutschen Handball-Bundes (DHB) wirkte Alfred Gislason zwischen all den Anzugträgern aus der Verbandsführung etwas verloren – und nicht nur optisch musste sich der neue Hoffnungsträger des deutschen Handballs bei seiner offiziellen Vorstellung als Bundestrainer mit der ungewohnten Nebenrolle abfinden. Bei der Pressekonferenz in einem Flughafenhotel in Hannover drehte sich am Freitag wenig um den 60 Jahre alten Isländer und vieles um den unrühmlichen Rauswurf seines Vorgängers Christian Prokop (41). "Wir verstehen, dass der Wechsel von Christian als unfair wahrgenommen wird und bedauern dies", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann fast schon entschuldigend.

Mit wortreichen Erklärungen versuchte die heftig kritisierte DHB-Spitze die am Donnerstag verkündete Trennung von Prokop zu rechtfertigen. "Es tut mir leid für Christian", sagte Michelmann. "Das war nicht geplant." Vizepräsident Bob Hanning, der anders als in den Vorjahren keine führende Rolle bei der Trainerentscheidung gespielt haben soll, räumte ein: "Wir haben das nicht gut gemacht."

Der DHB musste sich schnell entscheiden

Liga-Präsident Uwe Schwenker sprach von einer situationsbedingten Strategieveränderung, "die drei, vier Tage vorher noch nicht abzusehen war". Im Klartext: Weil Gislason bereits mit einem anderen Verband verhandelte, warf der Deutsche Handball-Bund sein bis in das Jahr 2022 ausgelegtes Personalkonzept über den Haufen und ersetzte Prokop nach kurzen Verhandlungen durch den langjährigen Erfolgstrainer des deutschen Rekordmeisters THW Kiel. "Ich war schon mit einem anderen Verband einig über ein langfristiges Projekt. Vier, fünf Stunden nach meiner Landung in Berlin kam der Anruf von Uwe Schwenker", berichtete Gislason. Schwenker hatte sich zuvor auf der turnusmäßigen Präsidiumssitzung als Strippenzieher des Deals betätigt. "Ich war der einzige, der Kontakt zu Alfred hatte, und wusste, dass er zu Verhandlungen im Ausland war, um dort einen Vertrag zu unterschreiben", berichtete der Liga-Präsident. Er habe dem Präsidium daher mitgeteilt, dass Gislason am Ende der Woche nicht mehr zur Verfügung stünde.

Nach einer ausgiebigen Diskussion sprach sich die Mehrheit der Führungsriege gegen Prokop und für Gislason aus. Dabei hatte man dem 41-jährigen Prokop bei der EM noch demonstrativ das Vertrauen ausgesprochen. "Wir haben abgewogen, wo sind die größeren Chancen für die Zukunft – das hat den Ausschlag gegeben", berichtete Schwenker.

Inhaltlich ist die Entscheidung nachvollziehbar, denn Prokop konnte die bei seinem Amtsantritt 2017 in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Platz neun bei der EM 2018, Platz vier bei der Heim-WM 2019 und Platz fünf bei der EM 2020 – das war für den nach Medaillen lechzenden DHB zu wenig. "Sein Status war etwas unglücklich", sagte Schwenker.

Gislason war schon 2017 der Topkandidat

Wegen der oft fehlenden Rückendeckung habe Prokop die Souveränität gefehlt. "Auch die Zukunftsperspektive spielte eine Rolle mit der Frage, welche Erfolge können wir mit ihm erwarten?", sagte Schwenker. Dabei schlug das Pendel im Präsidium zugunsten von Gislason aus. Der Isländer war schon 2017 Topkandidat auf die Nachfolge seines Landsmanns Dagur Sigurdsson. "Aber damals ging es nicht, weil ich einen Vertrag in Kiel hatte", sagte Gislason und betonte: "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass es für mich ein Traumjob ist, Handball-Bundestrainer zu sein."