Pauline Schäfer für Sophie Scheder

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Von dpa

Fr, 04. Oktober 2019

Turnen

Deutsche Frauen müssen vor der Turn-Weltmeisterschaft in Stuttgart umplanen.

STUTTGART (dpa). Als interessierter Zuschauer und fachkundiger Gast schaute Olympiasieger Fabian Hambüchen entspannt bei der WM-Generalprobe der deutschen Turner vorbei. Statt Reckriemchen und Wettkampftrikot trug der 31 Jahre alte Turn-Rentner Jeans und T-Shirt und genoss es, seinen ehemaligen Teamkollegen beim öffentlichen Podium-Training in Stuttgart zuzusehen, Autogramme zu schreiben und mit den Kampfrichtern ein Schwätzchen zu halten.

Danach stand Sophie Scheder indes nicht der Sinn – denn ihr Traum von der Heim-WM platzte 24 Stunden vor dem Start. Die 22 Jahre alte Chemnitzerin erlitt im Training eine Zerrung der Rückenmuskulatur, die für eine Instabilität in der Schulter sorgt. Das Trainer-Team beschloss daher am Donnerstag nach der Vormittagseinheit, kein Risiko einzugehen und die bisherige Ersatzturnerin Pauline Schäfer einzusetzen. Das teilte der DTB am Abend mit.

"Für Sophie ist es sehr schade, aber ein Einsatz wäre unter diesen Umständen nicht zu verantworten. In Pauline haben wir eine Super-Turnerin, die nun für das Team kämpft", sagte Cheftrainerin Ulla Koch. "Das ist schon eine total verrückte Situation", sagte die Schwebebalken-Weltmeisterin von 2017 zu ihrem unverhofften Einsatz für die völlig enttäuschte Teamkollegin. Schäfer, die die gesamte Vorbereitung bestritt, wird nur an ihrem Paradegerät Balken eingesetzt.

Die deutsche Rekordmeisterin Elisabeth Seitz, Emelie Petz und die 2019-Mehrkampfmeisterin Sarah Voss werden nun einen kompletten Mehrkampf bestreiten. Kim Biu wird Boden, Sprung und Stufenbarren turnen. In dieser Besetzung soll es dem Quintett gelingen, das Finale der besten acht Teams zu erreichen. Für das Olympia-Ticket genügt gar schon Platz zwölf.

Derweil genoss Hambüchen die Rückkehr an die Stätte seines großen Triumphes. "Es ist super, mal in Ruhe und ohne Druck viele Freunde, Trainer oder Offizielle wiederzusehen. Ich kenne hier ja praktisch jeden", sagte Hambüchen. Dabei ließ er seinen Blick durch die Hanns-Martin-Schleyer-Halle schweifen, wo er 2007 an seinem Paradegerät Reck als bisher letzter Deutscher WM-Gold geholt hatte. Der einstige Vorzeigeturner erlebt die WM nun aus einer neuen Perspektive: als WM-Botschafter, TV-Experte und gefragter Gesprächspartner am Rande der Wettkämpfe.

Unterdessen steigt bei den Aktiven die Anspannung. Das Training an den Wettkampfgeräten unter Scheinwerferlicht und vor einigen hundert Zuschauern ist so etwas wie der Startschuss, obwohl die Männer erst am Sonntag (19.30 Uhr) mit der Team-Qualifikation dran sind. "Man spürt das Kribbeln", sagte Lukas Dauser. "Wir sind alle konzentriert und fokussiert, versuchen aber auch, uns eine gewisse Lockerheit zu bewahren und alles zu genießen."

Der 26 Jahre alte Teamkapitän musste lange um seine WM-Teilnahme bangen. Kaum hatte er seinen Mittelhandbruch (Mitte Juni) auskuriert, riss sich Dauser vor drei Wochen beim letzten WM-Test in Backnang ein Band im Sprunggelenk. Deswegen wird der Barren-Spezialist auch nur an sein Lieblingsgerät sowie ans Reck und Pauschenpferd gehen. "Ich trage noch einen Tapeverband. Boden und Sprung gehen nicht und beim Abgang von den Ringen wäre das Risiko zu groß. Ich denke, dass ich dem Team an den anderen Geräten am besten helfen kann." Schließlich steht die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 sowohl mit dem Frauen- als auch mit dem Männer-Team über allem. Jeweils zwölf Mannschaften dürfen in Tokio starten. Bei der WM 2018 in Doha erwarben sich schon drei Teams bei den Frauen (USA, Russland, China) und Männern (China, Russland, Japan) das Startrecht. Je neun Olympia-Tickets werden bei der 8,5 Millionen Euro teuren WM vergeben.

Mehr Informationen und Tickets gibt es unter http://www.stuttgart2019.de