Nordische Kombination

Fabian Rießle bei der DM als Titelverteidiger am Start

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Do, 17. Oktober 2019 um 20:36 Uhr

Skispringen

Am Freitag beginnt der letzte Wintertest bei der DM der Kombinierer in Klingenthal. Skisprung-Landestrainer Rolf Schilli muss bei der nationalen Flugschau auf eine Handvoll verletzter Piloten verzichten.

Es ist die letzte Standortbestimmung vor dem neuen Weltcup-Winter. Von heute bis Sonntag kämpfen Nordische Kombinierer und Spezialspringer auf der Großschanze in Klingenthal und der Skirollerstrecke in Johanngeorgenstadt um nationale Titel. Zweier-Sprint-Teamweltmeister Fabian Rießle von der SZ Breitnau, der vor einem Jahr bei der DM in Hinterzarten und Breitnau zweimal Gold gewann, will seine Titel verteidigen. Für die von einer Verletzungsserie gebeutelten Skispringer von Landestrainer Rolf Schilli ist dabeisein fast schon alles.

Albert Wursthorn, als Sprunglatten- und Schanzentüftler seit mehr als einem Jahrzehnt Heimtrainer des vierfachen olympischen Medaillengewinners Fabian Rießle, sieht den 28-jährigen Wahl-Kirchzartener in solider Form. Auf Skirollern gibt es national keinen radikaleren Roulleur als Rießle. Auf der Schanze ist es so wie immer. Ordentlich seien Rießles Sprünge, "gut ist anders, aber es goht so", sagt der überzeugte Alemanne Wursthorn. Wer den DM-Einzeltitel gewinne, sei allerdings völlig offen. Wenn Doppel-Olympiasieger Johannes Rydzek, der im Juli und Anfang August wochenlang wegen eines drohenden Ermüdungsbruchs pausieren musste, seine jüngst gezeigte Sprungform bestätige, "dann gewinnt der Ritschie". Und falls der fünfmalige Weltcup-Gesamtsieger Eric Frenzel gut springe, dann gewinne "natürlich der Effe", wie die Teamkollegen Frenzel nennen. Und Rießle? "Jo", sagt Wursthorn, "da ist alles drin". Im Zweier-Teamsprint wird Rießle wie schon so oft mit seinem langjährigen Trainingspartner Manuel Faißt vom SV Baiersbronn antreten, der in Oberried daheim ist. In Gemeinschaft stürmten Rießle und Faißt im vergangenen Oktober bei der sonnenüberstrahlten DM in Breitnau auf Skirollern zum Titel. Faißt hatte im August Probleme auf der Schanze und geriet in Terminnot. Heirat, Semesterprüfungen, heimischer Nestbau und die ebenso Kraft wie Zeit raubenden Trainingseinheiten galt es zu vereinbaren. "Der Manu hatte richtig Stress", vermutet Wursthorn, "vielleicht wird jetzt die DM für ihn zur Befreiung".

Bei den Sommer-Grandprix’ in Tschagguns und Planica startete der 19-jährige Jonas Maier vom SC Waldau erstmals gemeinsam mit der Weltelite der Kombinierer, "das war ein Reinschnuppern, das ihn vorangebracht hat", so Wursthorn. Bei der DM könne Maier, wenn es gut läuft, ein bisschen vorne mitspringen, auf Skirollern werde es dagegen hart. "Der Jonas ist ein fleißiger Arbeiter, aber die Ausdauerwerte sind noch nicht so wie erhofft."

Rolf Schilli, Skisprung-Landestrainer am Skiinternat Furtwangen, muss bei der DM auf einige Piloten verzichten. Der für den SC Hinterzarten springende Waldauer Sebastian Rombach zeigte im Sommer-Training gute Sprünge, auch wenn sich im Wettkampf nicht die erhofften Erfolge einstellten. Rombach ist ein Kämpfer, der draußen auf dem Bakken und drinnen in der Halle bei Übungseinheiten mit enormer Sprungkraft alles gibt. Flugzeugfahrwerke halten solche Belastungen aus, menschliche Fußgewölbe sind für rabiate Absprünge nicht gemacht. Rombachs Fußheber, der sogenannte musculus tibialis, ist entzündet, Skispringen ist aktuell ausgeschlossen. David Siegel vom SV Baiersbronn, der in Neustadt wohnt, ist nach seinem Kreuzbandriss zwar im Aufbautraining, wird aber den kommenden Skisprung-Winter an den Schanzen ebenso nur als Zuschauer erleben, wie die am Kreuzband operierte Skisprung-Teamweltmeisterin Ramona Straub vom SC Langenordnach.

So ruhen die DM-Hoffnungen auf einem Mann mit starker Tolle und famosen Erfolgen im vergangenen Winter: Luca Roth vom SV Meßstetten gewann bei der Junioren-Weltmeisterschaft Einzel-Silber und Team-Gold und soll sich im kommenden Winter im Continentalcup, der zweiten Liga der Skispringer, etablieren. Die Schanze in Klingenthal ist dem hoch aufgeschossenen Flieger vertraut, beim Sommer-COC überraschte er dort im ersten Durchgang mit Rang acht. "Im Finale wurde er vom Winde verweht", so Schilli. In den vergangenenen Wochen plagten Roth immer wieder rätselhafte Rückenprobleme. Die Ursachenforschung gestaltete sich schwierig, als Auslöser ausgemacht scheint jetzt eine Salbe, mit der Roth seine Gesichts-Akne eindämmen wollte. Ein Blick auf den Beipackzettel bot Gewissheit. "Die Salbe kann Rückenschmerzen auslösen", so Schilli. Die DM und den Skiwinter verpasst Tim Hettich vom Skiteam Schonach-Rohrhardsberg. Bei einem Alpencup-Springen im norditalienischenPredazzo stürzte der 17-jährige im ersten Durchgang schwer, zog sich einen Beckenbruch sowie ein Fraktur des fünften und sechsten Lendenwirbels zu.

"Der Tim kann schon wieder an Krücken gehen", sagt Schilli und atmet tief durch: "Gott sei Dank."