Zu oft vorbeigeballert

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 14. Februar 2020

Biathlon

Schwarzwälder Benedikt Doll wird bei der Biathlon-WM mit der deutschen Mixedstaffel Vierter.

ANTHOLZ. Biathlet Benedikt Doll ist um die diffizile Aufgabe nicht zu beneiden: Als Sechster geht der Schlussläufer der deutschen Mixedstaffel bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Antholz (Italien) auf die Strecke. 42,7 Sekunden hinter den Norwegern, die ihren Spitzenmann Johannes Thingnes Boe losschicken, und den hochmotivierten Italienern. Eine Medaille ist das Ziel der Deutschen, die bronzene ist 37,1 Sekunden entfernt. Dass die Tschechen den dritten Platz innehaben, ist eine fette Überraschung. "Da geht noch was", denkt Doll laut beim Loslaufen, weil im Biathlon grundsätzlich vieles und an manchen Tagen auch alles möglich ist. Der Biathlet der Ski-Zunft Breitnau räumt beim Liegendschießen alle fünf Scheiben ab, er kommt der ersehnten Medaille aber nur ein paar Sekunden näher, weil auch Michal Krcmar, der tschechische Schlussläufer, fehlerlos bleibt.

Beim vorentscheidenden Stehendschießen muss der Schwarzwälder zweimal nachladen, um die fünf Scheiben abzuräumen. Krcmar macht einen Fehler weniger. Die halbe Minute Rückstand ist auch für den starken Skater Doll auf der 2,5-Kilometer langen Schlussrunde nicht mehr wettzumachen, nein, der 29-Jährige sieht sich auf dem letzten Teilstück sogar den dreisten Angriffen des ukrainischen Schlussläufers Dmytro Pidruchnyi ausgesetzt. Pidruchnyi zieht sogar vorbei, bekommt aber die Kampfkraft von Doll zu spüren, der hinter Norwegen, Italien und Tschechien als Vierter ins Ziel kommt.

Doll: "Rang vier ist immer ein bisschen doof"

"Eine Medaille wäre möglich gewesen", sagen hinterher alle – Staffelläufer Arnd Peiffer (WSV Clausthal-Zellerfeld), TV-Experte und Ex-Biathlet Sven Fischer und auch Doll: "Die vorne haben keine Fehler mehr gemacht, dann kommt man nicht mehr vorbei. Das war keine ganz schlechte Leistung, allerdings ist Platz vier halt immer ein bisschen doof."

Versaubeutelt hat das deutsche Quartett das Edelmetall am Schießstand. Startläuferin Franziska Preuß (SC Haag) handelte sich mit einem Fehler liegend 13,2 Sekunden Rückstand ein, der nach zwei Fehlern beim Stehendschießen auf 28,1 Sekunden anwuchs und beim Wechsel 34,9 Sekunden betrug. Das erhöhte den Druck auf Denise Herrmann (WSV Erzgebirge Oberwiesenthal). Mit einem Kamikaze-Anfangstempo und fünf Treffern liegend reduzierte die Weltcupvierte zwar den Rückstand auf die Spitze auf 11,2 Sekunden, beim Stehendschießen büßte sie jedoch für ihre Anstrengungen und musste in die Strafrunde: "Beim letzten Schuss ging mir der Arsch auf Grundeis." Peiffer schoss liegend makellos, stehend musste auch er dreimal nachladen. Macht zusammen eine Strafrunde und elf Nachlader für die deutsche Mixedstaffel – in der Summe zu viel. Die Tschechen verfehlten von 40 Scheiben nur zwei – das war der Schlüssel zu Rang drei. "Es kommen noch genug Chancen", sagt Benedikt Doll und macht sich für den Sprint am Samstag Mut.

Beim Supereinzel-IBU-Wettkampf in Martell (Italien) hat Roman Rees vom SV Schauinsland nach zwei Schießfehlern den 16. Platz belegt. Zuvor in der Qualifikation war er 14 geworden. Der deutsche WM-Starter Erik Lesser hatte sich als 39. nicht für das Finale qualifiziert.