Springt der Rennmotor von Max Brandl an?

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 19. März 2021

Mountainbike

Das Lexware-Mountainbiketeam startet bei den Bundesligarennen in Krumbach und Obergessertshausen in die olympische Saison.

. Es fällt nicht leicht, in diesen Tagen an kurze Radhosen und wärmende Sonnenstrahlen zu denken, an den Mountainbikesport mit all seinen Reizen und Facetten. Der Winter ist zurück im Hochschwarzwald, Daniel Berhe ist an diesem Morgen mit Ski und Hund im Schnee unterwegs. Der Manager des Lexware-Mountainbiketeams wohnt in Feldberg, er hat die weiße Pracht vor der Haustür. Dennoch sind die Mountainbike-Gedanken bei ihm allgegenwärtig, denn am Samstag beginnt für Berhe und sein Rennteam die MTB-Bundesligasaison mit einem Shortrace in Krumbach, tags darauf folgt ein Cross-Country-Rennen in Obergessertshausen. "Fullgaz-CC-Race", nennt sich Letzteres passend, denn erstmals in dieser Saison wird Vollgas gefahren.

Seit 2008 lenkt Berhe die Geschicke der Lexware-Mountainbiker: 21 deutsche Meistertitel, acht WM-Medaillen, neun EM-Plaketten und 35 Bundesligasiege hat das Team eingefahren. National hat sich Lexware, die Teambasis ist in Kirchzarten, eine Ausnahmestellung erarbeitet und ist zuletzt auch international in den Fokus gerückt: Max Brandl wurde in seinem ersten Elitejahr WM-Zwölfter, Lennart Krayer gewann den WM-Titel bei den Junioren. Brandl hat die Norm für die Olympischen Spiele in Tokio, die aufgrund Corona um ein Jahr verschoben wurden und in diesem Sommer ausgetragen werden sollen, bereits erfüllt. "Die anderen Elitefahrer von uns, die alle auf der Olympia-Longlist stehen, haben auch noch die Perspektive Tokio", sagt Berhe.

Max Brandl, Georg Egger, Luca Schwarzbauer und David List haben sich in einem vierwöchigen Trainingslager in Girona (Spanien) auf die Saison vorbereitet. "Es lief alles perfekt. Wir hatten super Bedingungen. Wir haben im Schnitt pro Trainingstag 2300 Höhenmeter gemacht", erzählt Brandl. Trainiert wurde ausnahmslos auf dem Mountainbike. "Ich bin schon sehr fit", sagt der 23-Jährige, "allerdings kann es jetzt am Wochenende im ersten Wettkampf so sein, dass mein Rennmotor noch nicht richtig anspringt". Fixpunkt für Brandl ist der 26. Juli, an diesem Tag soll das olympische MTB-Rennen der Männer in Japan ausgetragen werden. Sein Formaufbau ist darauf ausgerichtet. "Die Weltmeisterschaft ist auch wichtig, aber neben Olympia verblasst alles", sagt Brandl, der sich vegan ernährt.

Junioren-Weltmeister Lennart Krayer schwört ebenfalls auf vegane Kost. Er bestreitet wie sein Teamkollege Thore Hemmerling die erste Saison in der U-23-Klasse. Krayer war im Februar elf Tage auf Gran Canaria und hat sich mit Rennrad-Einheiten in Form gebracht. "Ich muss erstmal schauen, wo ich stehe", sagt der 19-Jährige mit Blick auf den Bundesliga-Auftakt in Obergessertshausen, "meine Leistungswerte sind jedenfalls besser als vergangene Saison".

Die beiden Rennen im bayerischen Landkreis Günzburg (Inzidenz 52,7) finden unter strengen Corona-Auflagen statt. Laut Lexware-Teammanager Daniel Berhe ist das Cross-Country-Rennen am Sonntag besetzt "wie ein kleiner Weltcup". Beide Weltmeister aus Frankreich – Pauline Ferrand Prevot und Jordan Sarrou – sollen am Start sein. Mehr Standortbestimmung geht nicht.