Kechs Wochenschau

Staatsschutz sieht Freiburg als Hotspot von Schwimmbad-Extremisten

Florian Kech

Von Florian Kech

Sa, 20. Juni 2020 um 11:11 Uhr

Satire

Freiburg hat ein Problem mit Linksextremismus, sagt der Verfassungsschutz. Als wäre das nicht genug, radikalisiert sich noch eine weitere Szene. Dies und mehr in der satirischen Wochenschau.

Vor einigen Jahren schlossen Stadt und Land den heiligen Bund der Sicherheitspartnerschaft. Seither ist es in Freiburg friedlicher, leiser und schöner geworden. Das hat jetzt eine Studie bestätigt. Wegen des "signifikanten Rückgangs der gemessenen Kriminalität" denkt man darüber nach, die Partnerschaft umzuwandeln in eine offene Sicherheitsbeziehung oder punktuelle Sicherheits-One-Night-Stands. Paradoxerweise hatte die positive Entwicklung noch keinen Effekt auf das gemessene Sicherheitsgefühl. An Versammlungsplätzen wie der Dreisam ist die gefühlte Unsicherheit sogar gestiegen. So fühlen sich neuerdings immer mehr Menschen, die zu Grüppchenbildung neigen, massiv bedroht durch 530-Euro-Bußgeldbescheide. Die Betroffenen wünschen sich bei der Ahndung von Corona-Regel-Verstößen etwas mehr Fingerspitzengefühl. Denkbar wäre die Übertragung des bewährten Augustinerplatzmodells auf Pandemiezeiten – Stichwort: Seuche der Toleranz.

Kita für die vierte RAF-Generation

Die taz hat es sich mit der Polizei verscherzt. Die verantwortliche Autorin, die sich für ihre Zeilen eine Anzeige von der Polizeigewerkschaft einhandelte, hat – was seit dem Verfassungsschutzbericht niemanden verwundern wird – in Freiburg studiert, an der altehrwürdigen Baader-Meinhof-Universität. Seit dieser Woche haben wir es Schwarz auf Weiß: Freiburg ist ein "Schwerpunkt linksextremistischer Gewalt". Im Fokus steht der Autonomentreff KTS, der in Staatsschutzkreisen als Kita für die vierte RAF-Generation gilt. Auf deren Gewaltkonto geht unter anderem ein brutaler Anschlag auf ein ortsansässiges Rüstungsunternehmen – mit einem Farbbeutel. Also wenn von Freiburg tatsächlich die Weltrevolution ausgeht, müssen wir auf den Kommunismus wohl noch ein paar Äonen warten.

Lolo-Freunde bald ein Fall für den Verfassungsschutz

Viel Geduld aufbringen muss auch Freiburgs wutrote Schwimmfraktion, unter der ebenfalls eine zunehmende Radikalisierung festzustellen ist. Gut möglich, dass sich Gruppierungen wie der örtliche DLRG, der Lorettobad-Freundeskreis oder andere Ba(a)der im nächsten Verfassungsschutzbericht wiederfinden. Während den Menschen andernorts längst wieder das Wasser bis zum Hals stehen darf, werden in Freiburg die ersten beiden Freibäder erst im nächsten Monat geöffnet, wenn die Wälder schon wieder bunt werden, die Stoppelfelder gelb und die Dietenbachbauern ihre letzte Ernte einfahren. Zu allem Unglück gelten auch noch strenge Regeln. So dürfen Strandbadbesucher maximal zwei Stunden verweilen. Bei Verstößen wird im kompletten Bad das Wasser abgelassen und der Schwimmextremist zwei Wochen lang in Chlor eingelegt. Außerdem werden in die Liegewiesen Abstandsmuster gemäht. Hygiene-Demonstranten aufgepasst: Aus der Luft kann diese Rasengeometrie auch leicht mit Kornkreisen verwechselt werden.

The real Heidegger



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Höchste Verwechslungsgefahr besteht auch ständig bei Christian Streich. In einem viel beachteten Portrait der ehrenwerten New York Times wurde der Fußballtrainer des SC Freiburg einmal mehr als "Philosoph des Schwarzwaldes" bezeichnet. Streich hat zwar umgehend dementiert ("Ich bin kein Philosoph!") und ist so einer möglichen Urheberrechtsklage der Heidegger-Gesellschaft zuvorgekommen. Doch das nächste Wintertrainingslager will er mit seiner Mannschaft dennoch wie geplant an der Todtnauberger Hütte abhalten.