Nachruf

Staufener Diakon Herbert Skoda gestorben

Hans-Peter Müller

Von Hans-Peter Müller

Mi, 21. August 2019 um 15:19 Uhr

Staufen

Ein Brückenbauer zwischen Kirche und Arbeitnehmerschaft: Der katholische Diakon und langjährige Gewerkschaftssekretär Herbert Skoda ist in Staufen im Alter von 83 Jahren gestorben.

Die Fauststadt trauert um Herbert Skoda. Der Diakon der katholischen Kirchengemeinde und langjährige Gewerkschaftssekretär verstarb am Montag im Kreis der Familie im Alter von 83 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit.

Herbert Skodas Wirken in Staufen und der ganzen Region war äußerst vielfältig.

Geboren in der heutigen Slowakei landete er nach dem Zweiten Weltkrieg 1952 nach Flucht und Vertreibung aus dem Sudetenland schließlich mit den Eltern in Staufen. Es folgte die Ausbildung zum Rundfunk- und Fernsehtechniker und Tätigkeit bei den Kaiser-Radiowerken in Kenzingen.Dort lernte er nicht nur seine aus Slowenien vertriebene Frau Mira kennen, sondern bekam auch Kontakt in Gewerkschaftskreise. Von 1962 bis 2000 war er Sekretär der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG), die 2001 in der neuen Gewerkschaft Verdi aufging. Über 25 Jahre hatte Skoda auch die DAG-Bezirksleitung inne. Zu der Karriere bei der Gewerkschaft gesellten sich unzählige Ehrenämter. 1968 wurde er für die SPD zum jüngsten Kreisrat im damaligen Landkreis Müllheim gewählt. Er war im Prüfungsausschuss für Kriegsdienstverweigerer, Arbeitsrichter im Verwaltungsausschuss des Arbeitsamtes Freiburg, zwölf Jahre Wirtschaftsbeirat der Stadt Freiburg, Beirat im Großen Senat der Universität Freiburg, im Rundfunkrat des damaligen Südwestfunks Baden-Baden, im Verwaltungsrat der Barmer Ersatzkasse, in der Vertreterversammlung der Volksbank Staufen. Für dieses reiche Engagement wurde Skoda 1999 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

In Staufen wirkte Skoda darüber hinaus als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, für die Naturfreunde und deren Hütte am Heidstein, als Anlieger der Neumagenstraße für den Verein "StauFrei" und die Große Umfahrung sowie als verlässlicher Repräsentant in Staufens Partnerstädten Bonneville und Kazimierz Dolny.

2016 wurde ihm anlässlich seines 80. Geburtstages die zweithöchste Auszeichnung der Stadt Staufen zuteil, der Eintrag ins Ehrenbuch, der "Persönlichkeiten vorbehalten bleibt, die sich über Jahrzehnte in außergewöhnlicher Weise für unsere Stadt verdient gemacht haben", wie es Bürgermeister Michael Benitz bei der Feier in der katholischen Pfarrkirche St. Martin ausdrückte.

Denn Herbert Skodas Wirken hatte sich in den 90-er-Jahren des vorigen Jahrhunderts nochmals erweitert und auch beruflich auf ein ganz anderes Feld verlagert. Schon immer katholisch geprägt, galt sein Interesse insbesondere der Kolpingbewegung, in der er gewerkschaftliches und kirchliches Engagement im Zeichen der katholischen Soziallehre und dem Geist von Adolph Kolping verknüpft sah. Nach sechs Jahren nebenberuflicher, eingehender theologischer Ausbildung wurde aus Herbert Skoda dann 1994 im Alter von 58 Jahren der spätberufene Diakon, der sich unermüdlich für die Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde St. Martin einsetzte und in Staufen, Grunern und Wettelbrunn pastoral, sozial und karitativ tätig war.

Neben Taufen, Trauungen, Beisetzungen, Geburtstagsbesuchen und Wortgottesdiensten kamen auch hier wieder zahlreichen Ehrenämter hinzu: Über 20 Jahre als Mitglied im Pfarrgemeinderat, die Mitgliedschaft im Diözesanrat der Caritas, das Amt als Bezirkspräses der Kolpingfamilie des Dekanats, als Vizepräses für die 200 Kolpingfamilien in der Diözese und als Sprecher der Diakone der Diözese.

Obwohl Skoda wie üblich mit 70 Jahren mit einem großen Festgottesdienst von seinen Pflichten als Diakon entbunden wurde, wirkte er im kirchlichen Dienst in Staufen bis zuletzt weiter und hielt auch noch bis ins Frühjahr 2019 Wortgottesdienste. Erst beim Annafest Anfang August wurde er vermisst, da hatte ihn die seltene, heimtückische Krankheit schon ans Krankenbett gefesselt.

Anlässlich seines 70. Geburtstags wurde Skodas reichhaltiges Wirken so charakterisiert: "Als streitbarer Mann im Weinberg des Herrn hat er sich stets als Brückenbauer zwischen Kirche und Arbeitnehmerschaft verstanden, dabei Glaubwürdigkeit vorgelebt und für soziale Gerechtigkeit gekämpft".

Herbert Skoda hinterlässt seine Frau Mira, die Töchter Christiane und Petra mit Familien und den vier Enkeln Johannes, Myriam, Milena und Nikolai.

Die Eucharistiefeier zum Abschied von Herbert Skoda findet am Samstag, 24. August, 13.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Martin in Staufen statt. Die Beisetzung ist anschließend auf dem Friedhof in Staufen.